Bei ihrer monatlichen EU-Runde werden sich die 27 Landwirtschaftsminister am Montag mit der Frage beschäftigen, ob die EU zusätzliche Maßnahmen gegen die steigenden Preise für Kunstdünger ergreifen sollte. Auch werden sie erneut auf eine Verschiebung der nationalen NSPs für die Agrarpolitik drängen.
Da die Russen zusätzliche Abgaben auf den Export erheben (sprich: mehr für ihre eigenen Bauern zurückhalten wollen), könnte Brüssel die zuvor verhängten EU-Abgaben aufheben, um den Import aus anderen Regionen zu fördern.
Ein großes Hindernis bei der Ministerkonferenz droht die fristgerechte Einführung der Nationalen Strategiepläne (NSPs) der neuen Agrarpolitik zu werden. Diese müssen die EU-Länder spätestens Ende dieses Jahres einreichen, um im kommenden Jahr für GAP-Zahlungen in Betracht zu kommen. Diese Voraussetzung ist bereits seit Anfang dieses Jahres bekannt.
Es ist vorgesehen, dass das gesamte Europäische Parlament später in diesem Monat die modernisierte GAP endgültig beschließt, damit sie offiziell zum 1. Januar 2023 in Kraft treten kann. Mit der neuen GAP gibt Brüssel den EU-Ländern größere Freiheit bei ihren Kriterien für Agrarsubventionen, doch es ist weiterhin unsicher, ob alle EU-Länder ihre nationalen Strategiepläne rechtzeitig einreichen werden.
Verschiedene Länder haben um Aufschub gebeten, doch die Europäische Kommission will davon nichts wissen. Landwirtschaftskommissar Wojciechowski hat allerdings erklärt, dass er mit dem Abgabetermin „flexibel umgehen“ werde.
Niederlande haben den NSP-Prozess bereits mit einigen Tests und Versuchen gestartet, doch manche Länder beginnen erst jetzt damit. So kann in Deutschland die neue „Ampelkoalition“ noch mit strengeren Anforderungen den Prozess stören, und Frankreich erklärt, dass noch nicht alle „regionalen Behörden“ zugestimmt haben. Letzteres sei unter anderem eine Folge der Abkehr von einheitlichen Agrarregeln in der gesamten EU.
Spanien wird am Montag in Brüssel um zusätzliche EU-Unterstützung für die Bauern auf den Kanarischen Inseln bitten. Die Landwirtschaft auf La Palma und den umliegenden Inseln ist von den Niederschlägen des Vulkanausbruchs betroffen. Tonnenweise herabfallende Asche haben nahezu die gesamte Ernte auf den Inseln zerstört.
Spanien fordert nicht nur zusätzliche Subventionen aus dem EU-Programm für abgelegene Inseln, sondern auch aus dem ländlichen Entwicklungsfonds der GAP. Während eines kürzlichen Besuchs auf der Insel sagte Minister Planas bereits, dass er einen Brief an EU-Kommissar Janusz Wojciechowski geschrieben habe, in dem er sich auf „höhere Gewalt“ beruft.

