Britische Brexit-Anhänger dürfen zum Austritt ihres Landes aus der EU auf dem Platz vor dem Unterhaus eine Feier veranstalten. Die Behörden in London haben hierfür grundsätzlich grünes Licht gegeben. Die Gruppe Leave Means Leave organisiert die Veranstaltung auf dem Parliament Square am Abend des 31. Januars.
Es ist noch unklar, ob auch die Glocken des Big Ben läuten werden. Der Turm wird derzeit restauriert. Es kostet über 584.000 Euro (eine halbe Milliarde!) den Big Ben für wenige Minuten in Betrieb zu nehmen. Premierminister Boris Johnson hat angeregt, dass das Geld per Crowdfunding gesammelt werden könnte.
Kritiker finden ein „triumphierendes“ Fest unangemessen. Es ist kein erfreuliches Ereignis für Millionen EU-Bürger Großbritanniens, die immer noch nicht wissen, was genau ihr rechtlicher Status sein wird. Ausgelassene Feiern würden die Erfahrung für sie noch unangenehmer machen.
Der britische Premier Boris Johnson preist den Brexit als Chance, das Vereinigte Königreich zum Aufblühen zu bringen, doch Ökonomen äußern Zweifel daran. Die Entscheidung für eine Zukunft außerhalb der Europäischen Union hat die britische Wirtschaft bisher rund 153 Milliarden Euro gekostet, berechneten Forscher der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.
Seit einer Mehrheit der Briten sich 2016 für einen Austritt aus der EU aussprach, sind insbesondere die Investitionen von Unternehmern zurückgegangen. Unsicherheit über das Austrittsdatum und das Zustandekommen eines Brexit-Deals führten dazu, dass Unternehmen weniger oft investierten. Johnson hofft, dass Unternehmer nun wieder investieren werden.
Der bittere Becher ist laut Bloomberg-Ökonomen noch nicht leer. Obwohl der überzeugende Wahlsieg der Konservativen im Dezember es Johnson erleichtert hat, den Brexit durch das Unterhaus zu bringen, bleibt die Unsicherheit unter Unternehmern und Verbrauchern bestehen.
Die Europäische Union ist bereit, nach dem Brexit „Tag und Nacht“ zu arbeiten, um bis zur Frist ein Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich zu schließen. Dies sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die letzte Woche warnte, es sei „so gut wie unmöglich“, vor Ende 2020 eine umfassende Vereinbarung zu erreichen.
Von der Leyen betonte während eines Besuchs in Irland, dass nach dem Brexit nicht nur über Handel, sondern auch andere Themen verhandelt werden müssen. Sie stellte fest, dass die Verhandler de facto nur acht Monate Zeit haben, da auch noch Zeit zur Ratifizierung einer möglichen Vereinbarung benötigt wird.
Die Verhandlungen über die zukünftige (Handels)beziehung zwischen London und Brüssel beginnen nach dem Brexit, der am 31. Januar stattfinden soll. Das Vereinigte Königreich ist dann formal kein EU-Mitglied mehr, hält sich jedoch während einer Übergangsphase bis Ende 2020 weiterhin an europäische Regeln. Der britische Premier Boris Johnson will diese Periode auf keinen Fall verlängern.

