Die europäischen Landwirtschaftsminister diskutieren am Montag und Dienstag über die explosionsartig gestiegenen Preise für Gas und Düngemittel. Das Thema wurde dennoch in die Tagesordnung des Landwirtschaftsrats aufgenommen. Das bestätigte Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski nach Gesprächen in Warschau mit dem polnischen Minister Grzegorz Puda.
Am Montag und Dienstag halten die Landwirtschaftsminister ihre reguläre monatliche Sitzung in Luxemburg ab. „Wir werden analysieren, was wir tun können, um diese Situation zu entschärfen“, antwortete Kommissar Janusz Wojciechowski auf Fragen.
In Niederlande sind vor allem der Gartenbau und der Anbau in Gewächshäusern von den hohen Gaspreisen betroffen. Auch wurde das Aluminiumwerk von Aldel in Delfzijl bereits stillgelegt.
Während einer Pressekonferenz wurde darauf hingewiesen, dass die aktuelle Lage nicht nur ein Drama für die Landwirte darstellt, sondern auch eine große Bedrohung für Verbraucher, die mit steigenden Lebensmittelpreisen konfrontiert werden könnten. Die meisten EU-Länder kämpfen mit ähnlichen Problemen.
Der Anstieg der Kunstdüngerpreise betrifft alle europäischen Länder und in einigen Ländern wurde die Produktion bereits eingestellt. Der polnische Minister nannte dies ein schlechtes Signal für die Landwirte, da er befürchtet, dass illegale Düngemittel auf den Markt gelangen könnten.
Kommissar J. Wojciechowski erinnerte daran, dass die „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie einen ehrgeizigen Plan enthält, den Einsatz von Düngemitteln um 20 % zu reduzieren. Seiner Ansicht nach gibt es Länder in der EU, die den Einsatz von Kunstdünger drastisch verringert haben, ohne die Produktion zu mindern. Präzisionslandwirtschaft hat ebenfalls Zukunft.
Die Bedrohung durch die hohen Kunstdüngerpreise stellt die EU vor ein Dilemma. Brüssel hat mehrere Optionen. So könnte es beispielsweise die Antidumpingzölle, die 2019 auf Düngemittel aus den USA, Russland und Trinidad und Tobago eingeführt wurden, vorübergehend aussetzen oder ganz aufheben.
Die EU könnte auch ihr Einfuhr- und Transitverbot für Kalium aus Belarus aufheben.
Eine frühere Untersuchung der EU hatte harte Beweise für das „Dumping“ von billigen amerikanischen und russischen Kunstdüngern gefunden, was nachteilig für die EU-Düngemittelindustrie war. Diese muss bereits sehr hohe Preise für CO2-Zertifikate zahlen, weshalb sie im internationalen Wettbewerb benachteiligt ist.
Laut EU-Bauern haben sich die Preise für flüssiges Ammoniumnitrat seit Einführung der Antidumpingzölle verdoppelt. Aus den neuesten offiziellen EU-Zahlen geht hervor, dass der Preis von Harnstoff im vergangenen Jahr um 79,1 % gestiegen ist (der Durchschnittspreis aller Düngemittel stieg um 72 %).

