Die Europäische Kommission hat die EU-Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, behandeltes städtisches Abwasser für die Bewässerung in der Landwirtschaft wiederzuverwenden. Jährlich werden in der EU bereits über 40 Milliarden Kubikmeter Abwasser gereinigt, doch laut der Europäischen Kommission wird kaum eine Milliarde davon wieder verwendet.
Länder wie Israel, Singapur und Australien verfügen bereits über bessere Systeme, um Abwasser zu landwirtschaftlichen Betrieben zu leiten – und Brüssel geht davon aus, dass EU-Länder in einigen Jahren sechs Milliarden Kubikmeter wiederverwenden können.
Ein großer Teil Europas wird auch in diesem Jahr (erneut) von einer lang anhaltenden Trockenperiode heimgesucht, und die Kommission warnt, dass infolge des Klimawandels in etwa zehn Jahren die Hälfte der Flusseinzugsgebiete wasserlos sein könnte.
Wegen der anhaltenden Trockenheit, niedriger Wasserstände und trockenfallender Gräben und Flüsse werden zunehmend in immer mehr EU-Ländern Bewässerungsverbote für die Landwirtschaft und den Gartenbau verhängt. Besonders in südeuropäischen Ländern wird bereits mit kleineren Ernten gerechnet, die teilweise bis zu einem Viertel Verluste betragen können.
Die Europäische Kommission hat nun für die EU-Länder einen Leitfaden erstellt, der die Wiederverwendung sowohl von Regenwasser als auch von gereinigtem Wasser aus Kläranlagen behandelt.
Darin werden nicht nur Kriterien für den noch zulässigen Grad der Verschmutzung genannt, sondern auch landwirtschaftliche und gartenbauliche Produkte kategorisiert. Dabei wird insbesondere darauf geachtet, inwieweit die zukünftigen Nahrungsmittel Verschmutzungen oder Kontaminierungen ausgesetzt sein können.
„Wir müssen aufhören, Wasser zu verschwenden, und diese Ressource effizienter nutzen, um uns an das sich wandelnde Klima anzupassen und die Verlässlichkeit sowie Nachhaltigkeit unserer Landwirtschaftsversorgung zu gewährleisten“, sagte Virginijus Sinkevicius, EU-Kommissar für Umwelt, Fischerei und Ozeane.
Eine neue EU-Verordnung zur Wassernutzung tritt ab Juni 2023 in Kraft, doch die Kommission fordert die EU-Länder auf, schnell Maßnahmen zu ergreifen, um behandeltes Wasser für die Bewässerung umzuleiten.

