Die Europäische Kommission ist sich noch nicht über die Einführung eines vollständigen Verbots der europäischen Pelzindustrie einig. Brüssel muss bis spätestens Ende dieses Monats auf ein Referendum reagieren, das anderthalb Millionen Mal unterschrieben wurde und in dem ein Verbot der Zucht und Haltung von Pelztieren gefordert wird.
Die Kommission ringt mit dem Bürgerinitiative, wobei Vizepräsidentin Teresa Ribera für Wettbewerb sich für ein Verbot ausspricht, während der Kommissar für Tierschutz Olivér Várhelyi sich mit einer Verschärfung der Tierschutzregeln zufrieden gibt.
Nur noch fünf
Die meisten EU-Länder haben in den letzten Jahren bereits selbst ein Verbot für die Zucht von Pelztieren und den Verkauf gezüchteter Pelzprodukte eingeführt. Nur fünf EU-Länder haben das noch nicht: Finnland, Dänemark, Spanien, Ungarn und Griechenland.
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Die niederländische Europaabgeordnete Anja Hazekamp (Die Linke/PvdD) hat am Mittwochnachmittag im Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments Varhelyi um Aufklärung gebeten. Sie kritisiert die Absicht, nur die bestehenden Regeln zu verschärfen. Varhelyi bestritt, dass es innerhalb der Kommission Uneinigkeit über strengere Regeln für die Pelztierzucht gebe.
Warnung
Im vergangenen Sommer kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Schluss, dass die kleinen Käfige in der Pelztierzucht schwerwiegende Gesundheits- und Wohlstandsprobleme für Tiere wie Nerze, Füchse und Waschbären verursachen.
Nach EFSA kann dies nicht sinnvoll durch neue Regeln für diese Form der Tierhaltung gelöst werden, da keine Systeme existieren, die diese Probleme ohne grundlegende Eingriffe beseitigen könnten. Diese Erkenntnisse der EFSA werden in Brüssel allgemein als Bestätigung angesehen, dass eine Verschärfung der Normen die Probleme nicht löst.
Untergrabung
Nach Ansicht der Europaabgeordneten Hazekamp hätte die Europäische Kommission keinen schlimmeren Plan ausarbeiten können. „Die Aufrechterhaltung der europäischen Pelzindustrie widerspricht nicht nur der Bürgerinitiative, sondern untergräbt auch die Bemühungen der EU-Länder, die Pelzproduktion bereits verboten haben. „Es ist Wahnsinn, jetzt mit Anforderungen zu kommen, die diese überflüssige und grausame Industrie trotzdem weiterhin am Leben erhalten,“ sagt Hazekamp.
Auch Österreich hat die Europäische Kommission inzwischen um Klarstellung zu ihren Plänen gebeten. Österreich sagt, ein vollständiges Verbot würde mehr rechtliche Klarheit für Züchter bieten, die damit aufhören müssen, und ihnen eine faire Entschädigung ermöglichen.

