Die Landwirtschaftsabteilung der Europäischen Kommission nutzt Big Data und automatisierte Computerdaten bei der Erstellung und Bewertung der Agrarpolitik viel zu wenig. Dadurch fehlen Brüssel wichtige Daten für eine fundierte Agrarpolitik, stellt der Europäische Rechnungshof fest.
Laut den EU-Rechnungskontrolleuren werden in mehreren EU-Ländern unterschiedliche Kriterien angewandt und Messdaten gespeichert, so dass die AGRI-Abteilung in Brüssel viele Daten manuell in Tabellenkalkulationen verarbeiten muss. In einigen Bereichen, wie der Entwicklung des ländlichen Raums und dem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, werden keine Daten erhoben oder sind sie nicht zugänglich.
Die Prüfer erkannten an, dass die Kommission im Umgang mit (Excel-)Tabellenkalkulationen hervorsticht, sollten jedoch auch bei Big Data-Techniken herausragend sein. Weltweit nutzen Organisationen zunehmend Big Data, doch die Europäische Kommission lässt die Nutzung fortgeschrittener Datenanalyse weitgehend ungenutzt.
Entscheidend ist, dass dies bedeutet, dass die Europäische Kommission nicht über ausreichende Beweise verfügt, um den Bedarf und die Auswirkungen der Gemeinsamen Agrarpolitik vollständig bewerten zu können. Dadurch können auch nicht hinreichend fundierte Prognosen erstellt werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik umfasst jährlich mehr als 400 Milliarden Euro.
„Daten sind das A und O fundierter Politikgestaltung, und Big Data wird auch der Goldstandard in der Landwirtschaft“, sagte Joëlle Elvinger vom Rechnungshof. „Wir leben im Jahr 2022, und enorme Datenmengen sind unsere Realität“, fügte sie hinzu. „Wissen ist Macht. Aber ohne Daten gibt es kein Wissen.“
Das Prüfungsteam hat insbesondere untersucht, wie die Generaldirektion Landwirtschaft (DG AGRI) der Kommission in den vergangenen Jahren die verfügbaren Daten für Politikanalysen genutzt hat. Die Mitarbeiter verarbeiten manuell Daten aus etwa 115 Berichten in einer Excel-Tabelle, um die Informationen aus den EU-Ländern zu analysieren.
„Im Jahr 2022 reicht es nicht aus, nur in Excel zu glänzen“, sagten die Prüfer am Dienstag während einer Pressekonferenz und betonten, dass dies notwendig sei, um Datenanalyse und Landwirtschaft „fit für das digitale Zeitalter“ zu machen.

