Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, dass Kälber mindestens fünf Wochen alt sein und mindestens 50 Kilogramm wiegen müssen, bevor sie über weite Strecken transportiert werden dürfen. Derzeit sind fast drei Viertel der Kälber, die aus Irland in andere EU-Länder transportiert werden, weniger als fünf Wochen alt, so das irische Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Marine (DAFM).
Die Aktualisierung der EU-Vorschriften für Tiere während des Transports ist Teil des Vorhabens der Kommission, die derzeitige Tierwohl-Gesetzgebung von 2005 zu überarbeiten. Zunächst wollte Brüssel alle Tierschutzregelungen modernisieren, doch hat EFSA-Kommissarin Stella Kyriakides diese auf den „Tierschutz während des Transports“ beschränkt und davon nur ein begrenztes Paket vorgeschlagen.
Dennoch gibt es viele Einwände und Bedenken, nicht nur aus der Viehwirtschaft und der Transportbranche, sondern auch unter verschiedenen EU-Staaten. So will die Europäische Kommission mit einer maximalen Transportdauer von neun Stunden pro Tag für Schlachttiere dem „Herumkutschieren lebender Tiere“ zu den günstigsten Schlachthöfen in anderen Teilen Europas ein Ende setzen. Außerdem plant Brüssel strengere Anforderungen für mehr Platz bei Tiertransporten.
Das irische Landwirtschaftsministerium hat eine offizielle Stellungnahme zu den Vorschlägen verfasst, die dem irischen Parlament vorgelegt wurde und bald in Dublin diskutiert wird (und danach mit Sicherheit auch bei Treffen des Landwirtschaftsministeriums in Brüssel auf den Tischen liegen wird).
Darin erklärt Minister Charlie McConalogue, dass Irland zwar „die Reform der Vorschriften zum Tierschutz während des Transports unterstützt“, aber dass Irland noch einige „wichtige Anliegen“ habe (sprich: Wir sind noch nicht so weit).
Das DAFM ist der Ansicht, dass die neuen Transportvorschriften die „einzigartigen“ geografischen Gegebenheiten Irlands und das Recht der irischen Betriebe auf uneingeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt berücksichtigen müssen. EU-Maßnahmen, die den irischen Marktzugang „gefährden“ und irische Landwirte gegenüber ihren EU-Kollegen benachteiligen, dürften auf „starken Widerstand“ seitens der irischen Landwirtschaftssektoren stoßen, so das DAFM.
Darüber hinaus stellen die Iren einen wichtigen Teil der neu vorgeschlagenen Regeln ernsthaft infrage und weisen darauf hin, dass diese nicht wissenschaftlich belegt sind und es bislang keine praktischen Erfahrungen damit gibt. Brüssel will beim Transport von Kälbern im LKW vorschreiben, dass die Tiere unterwegs (in den Anhängern) mit Milchersatznahrung versorgt werden, doch Dublin bezeichnet dies als „riskant und nicht evidenzbasiert“.
Dieses System wird in Deutschland für die Verabreichung von Elektrolyten an Kälber während des Transports verwendet, da Kälber bei Milchersatznahrung Gefahr laufen, an Durchfall, Koliken und Austrocknung zu erkranken. Laut Minister McConalogue gibt es sogar wissenschaftliche Belege, dass Kälber, die während des Transports mit Elektrolytlösungen versorgt werden, besser abschneiden als solche, die mit Milchersatznahrung nachgefüttert werden.
Irland gibt außerdem an, dass es noch nicht genügend qualifizierte Tierärzte gibt, die künftig Viehtransporte per Schiff in Nicht-EU-Länder begleiten sollen. Neue EU-Vorschriften für Schiffe, die Vieh exportieren und die in diesem Jahr eingeführt wurden, verlangen, dass ab der ersten Reise nach einer Genehmigungsinspektion des Schiffes ein offizieller Tierarzt an Bord mitfährt.

