Europäische Organisationen von Ackerbauern, Getreideverkäufern und Geflügelhändlern, die Mitglied im EU-Agrardachverband Copa-Cosega sind, haben in einem Brandbrief an Brüssel den erneuten Vorstoß Wojciechowskis unterstützt.
Wojciechowski dringt darauf, dass das neue Dekret, das am 5. Juni in Kraft tritt, Beschränkungen für die Einfuhr von Zucker und Geflügelfleisch aus der Ukraine enthalten muss. Seiner Ansicht nach ist der Import von Geflügel und Zucker aus der Ukraine in letzter Zeit stark gestiegen, was eine Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit auf dem EU-Markt sowie für die polnische Zucker- und Geflügelproduktion darstellt.
Demgegenüber will der Europäische Handelskommissar Valdis Dombrovskis die aktuellen Beschränkungen lockern. Er plädiert für die vollständige Aufhebung des vorübergehenden Embargos, das im vergangenen Jahr auf Antrag Polens und vier weiterer EU-Nachbarländer gegen ukrainische Einfuhren verhängt wurde. Diese Position wird auch von der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, unterstützt. Der neue polnische Landwirtschaftsminister Czesław Siekierski fordert ebenfalls neue europäische Absprachen bezüglich der ukrainischen Einfuhren.
Zusätzlich hat sich inzwischen auch die EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean in den Konflikt um die polnischen Blockaden mehrerer Grenzübergänge zur Ukraine eingeschaltet. Obwohl verärgerte polnische Landwirte einige Grenzblockaden bereits aufgehoben haben, sind es jetzt vor allem polnische Lastwagenfahrer, die ukrainische Lkw nur eingeschränkt passieren lassen.
Früher durften diese in EU-Ländern keine Aufträge annehmen und mussten „leer“ zurückkehren. Nach Aufhebung der EU-Beschränkungen ist ihnen dies nun erlaubt, weshalb polnische Fahrer sie als neue Konkurrenten ansehen.
Die ukrainische Regierung teilt mit, dass der Straßentransport von Agrarprodukten zunehmend an Bedeutung verliere, da die Schifffahrtsroute über das Schwarze Meer in den letzten Monaten immer öfter wieder genutzt werden kann. Nach der erfolgreichen Zerstörung mehrerer Schiffe der russischen Marine in Häfen auf der Krim hat die russische militärische Bedrohung im westlichen Teil des Schwarzen Meeres weiter abgenommen. Ukrainische Medien berichten, dass der Export über See bereits wieder drei Viertel des Vorkriegsniveaus erreicht habe.

