Der europäische Hauptsitz des indischen Stahlriesen Tata Steel versucht, einige profitabele in Niederlanden ansässige Unternehmensteile zu verkaufen. Damit versucht der Konzern, den früheren Einwänden der Europäischen Union wegen drohender Marktverzerrungen nach einer möglichen Fusion mit dem deutschen Stahlunternehmen ThyssenKrupp entgegenzukommen, so berichtet die Independent European Daily Express.
Die Fusion der indischen und deutschen Stahlriesen wurde im letzten Jahr ausgesetzt, weil die Europäische Kommission dem (noch) nicht zustimmte, da Befürchtungen wegen des Wegfalls eines „gesunden Wettbewerbs“ bestanden. Zunächst wurde erwartet, dass Tata Steel als Reaktion darauf einige verlustreiche britische Stahlwerke schließen und einige kleine spanische und französische Werke ausgliedern würde.
Personal und Geschäftsleitung von Tata Niederlande wurden über neue Verkaufspläne jedoch nicht formell informiert. Die Mitarbeiter eines der bedrohten Standorte verklagen das Mutterunternehmen, um Klarheit zu erhalten. Die betreffenden niederländischen Unternehmensteile sind profitabel, während die größten Verluste im Vereinigten Königreich entstehen.
Zu den Teilen, die Tata Steel Europe verkaufen will, gehören unter anderem SAB Profiel mit Niederlassungen in IJsselstein, Nieuwegein und Geldermalsen. Auch Tata Steel Tubes steht zum Verkauf; hierbei handelt es sich um Standorte in Oosterhout, Maastricht und Zwijndrecht.
Die Verkaufsaktivitäten folgen auf einen früheren Reorganisationsplan von Tata Steel, der vorsah, dass bei Tata Steel Niederlande rund 1600 Arbeitsplätze wegfallen sollten, auch bei dem profitablen Stahlgießerei Hoogovens in IJmuiden. Eine solche Massenentlassung bleibt jedoch mindestens bis Oktober 2021 aus, da das Unternehmen angibt, sich an früher getroffene Vereinbarungen mit den niederländischen Gewerkschaften zum Erhalt der Arbeitsplätze halten zu wollen.
Laut den Gewerkschaften ist der Verkauf von profitablen und strategischen Einheiten ein schlechtes Konzept. Die Gewerkschaft sagt, es fehle an einer Analyse und einer Vision. Die Geschäftsleitung von Tata Niederlande erklärt hingegen, dass angesichts des schwachen Stahlmarkts derzeit Maßnahmen nötig seien, um den niederländischen Zweig von Tata Steel rentabel zu halten.

