Das Abkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Türkei zur Bewältigung der Migration ist gescheitert. Laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen leben vier Jahre nach dem Flüchtlingspakt mehr als 35.000 Menschen auf griechischen Inseln in völliger Chaoslage und ohne jegliche Würde. Ärzte ohne Grenzen fordert von der Europäischen Union eine radikale Überarbeitung der Flüchtlingspolitik.
Die Situation gleicht den schlimmsten Lagern weltweit. Diese Lager müssen sofort geschlossen werden und die Menschen müssen aufs europäische Festland gebracht werden“, sagte der Vorsitzende Christos Christou nach einem Besuch der Inseln Lesbos und Samos.
Das Problem der illegalen Migration aus Afrika und dem Nahen Osten nach Europa zieht sich schon seit Jahren hin und betrifft vor allem Länder am Mittelmeer, wie Italien und Griechenland. Einmal in diesen Ländern angekommen, gilt die Personenfreizügigkeit und die Migranten versuchen so weiter in andere europäische Länder zu reisen.
Der umstrittene Deal zwischen der Türkei und der EU sollte dem ein Ende setzen. Seit diesem Abkommen dürfen Migranten sich nach ihrer Ankunft in Griechenland nicht mehr frei bewegen. Während sie auf die Bearbeitung ihres Asylantrags warten, müssen Migranten nun in Zentren auf den griechischen Inseln bleiben. Zudem hatte die Türkei versprochen, Migranten zurückzunehmen, die illegal über die Türkei nach Europa gelangt sind.
Doch aufgrund des massiven Zustroms von Migranten auf den griechischen Inseln sind diese mittlerweile überfüllt. Heute sollen mehr als 34.000 Migranten in den Asylzentren auf den Inseln untergebracht sein, obwohl die Gesamtaufnahmefähigkeit der Zentren bei 6.300 Personen liegt. Das führt regelmäßig zu schweren Ausschreitungen und Belästigungen.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert die Europäische Union zum Eingreifen auf. Ihrer Ansicht nach ist der Deal mit der Türkei ein völliges Scheitern. „Vier Jahre nach dem Flüchtlingspakt leben 35.000 Menschen auf den griechischen Inseln in totalem Chaos und ohne jegliche Würde“, so der internationale Vorsitzende Christos Christou.
In den überfüllten Lagern herrscht viel Kriminalität, doch die Opfer werden im Stich gelassen, so Ärzte ohne Grenzen. „Nicht nur werden diese Menschen nicht geholfen, ihr Zustand verschlechtert sich auch“, erklärt Christou. „Mit Menschlichkeit, einem Prinzip der EU, hat das nichts mehr zu tun.“

