Der niederländische Chipmaschinenhersteller ASML darf seine fortschrittlichsten Maschinen vorübergehend nicht nach China liefern. Frühere Genehmigungen zum Verkauf strategischer Technik an China sind abgelaufen. Möglicherweise ist das Verbot eine Folge von Bedenken innerhalb der Europäischen Union bezüglich des zunehmenden chinesischen wirtschaftlichen Einflusses in Europa. Zudem bereitet Niederlande derzeit eine neue China-Politik vor.
Der Technologieriese wartet auf eine Genehmigung, um die Lieferungen wieder aufnehmen zu dürfen. Das bestätigt das Unternehmen nach Anfragen des niederländischen Wirtschaftssenders RTL Z. Bei dem blockierten Verkauf handelt es sich um die kostspieligen EUV-Maschinen, bei denen ASML weltweit Marktführer ist und mit denen die leistungsstärksten Computerchips hergestellt werden können.
Die fortschrittliche Technologie fällt unter das Wassenaar-Abkommen. Darin haben 42 Länder eine Liste von Technologien erstellt, die nicht ohne Weiteres an andere Länder geliefert werden dürfen. Es handelt sich um strategische Technologie, die auch für militärische Zwecke eingesetzt werden kann. China ist kein Teilnehmer des Abkommens, weshalb eine Genehmigung erforderlich ist.
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ASML wartet nun auf eine neue Lizenz, die vom niederländischen Außenministerium ausgestellt werden muss. Andere weniger fortschrittliche Maschinen dürfen ohne Genehmigung an chinesische Unternehmen geliefert werden.
Neben dem Fehlen der erforderlichen Lizenz ist ASML laut der japanischen Nikkei Asian Review auch Opfer des Handelskriegs zwischen den Vereinigten Staaten und China. Das Unternehmen fürchtet amerikanische Sanktionen, falls es Waren und Geräte an chinesische Firmen liefert.
Präsident Trump setzt auch ausländische Unternehmen unter Druck, die an chinesische Unternehmen liefern, die mit dem chinesischen Technologieunternehmen Huawei zusammenarbeiten. ASML hat mehrere Kunden, die Chips für Huawei herstellen.
Huawei wurde von den USA auf eine schwarze Liste gesetzt. Amerikanische Unternehmen dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung Geschäft mit Huawei machen. Hiervon könnte auch ASML betroffen sein, da der Chipmaschinenhersteller auch eine amerikanische Tochtergesellschaft besitzt. Die Vereinigten Staaten haben die EU-Länder aufgefordert, keine Produkte an Huawei zu liefern und keine Telekommunikationsgeräte von den Chinesen zu kaufen.
In der EU wird derzeit die Einführung der 5G-Technologie vorbereitet. Mehrere EU-Länder stehen kurz davor, Huawei-Geräte für 5G anzuschaffen. Verschiedene IT-Forscher und Sicherheitsdienste haben gewarnt, dass die chinesischen Behörden diese Geräte nutzen könnten, um in der EU zu spionieren. Ähnliche Bedenken bestehen gegenüber Geräten des russischen Unternehmens Kaspersky.
Das niederländische Unternehmen möchte keine Angaben zu Bestellungen und Lieferungen an einzelne Kunden machen, da dies strategisch sensible Informationen sind.

