Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erstmals âernsthafte Zweifelâ am Fortbestehen des Handelsabkommens zwischen der EuropĂ€ischen Union und den sĂŒdamerikanischen Mercosur-Staaten geĂ€uĂert, aufgrund der WaldbrĂ€nde und illegalen Abholzungen im brasilianischen Urwald.
In einem GesprĂ€ch mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg sagte Merkel, die in diesem Halbjahr auch rotierende EU-Ratsvorsitzende ist, dass sie das Abkommen âin seiner jetzigen Formâ nicht unterstĂŒtzt.
Das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay wĂŒrde die gröĂte Freihandelszone der Welt schaffen. Das Freihandelsabkommen wurde im vergangenen Jahr von der EU unterzeichnet, muss jedoch zur endgĂŒltigen Ratifizierung von allen nationalen Parlamenten genehmigt werden. Es sieht nicht danach aus.
Das österreichische Parlament und sehr kĂŒrzlich auch das niederlĂ€ndische Parlament haben das Abkommen in seiner jetzigen Form abgelehnt. Andere LĂ€nder wie Belgien, Frankreich, Irland und Luxemburg zeigen sich widerstĂ€ndig. Bisher war vor allem Deutschland einer der wichtigsten Initiatoren dieses Abkommens, doch offenbar rudert Merkel jetzt ebenfalls zurĂŒck.
Umweltorganisationen weisen seit vielen Jahren darauf hin, dass die brasilianische Regierung nichts gegen die Abholzung der historischen Amazonas-RegenwĂ€lder und den groĂflĂ€chigen illegalen Holzhandel unternimmt. AuĂerdem werden groĂe Waldgebiete niedergebrannt, damit auf den freigewordenen FlĂ€chen Mais und Soja fĂŒr die Tierfutterindustrie angebaut werden kann.
Nach Angaben des brasilianischen Nationalen Instituts fĂŒr Weltraumforschung (INPE) wurden im vergangenen Jahr mehr als 9.000 Quadratkilometer brasilianischer Regenwald abgeholzt â ein Anstieg von etwa 35 %. Dies trotz der Versicherung des brasilianischen PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro, dass seine Regierung den Regenwald schĂŒtze. Auch der World Wildlife Fund (WWF) weist auf die Risiken groĂflĂ€chiger sĂŒdamerikanischer (gĂŒnstiger) Fleischexporte in EU-LĂ€nder hin.
Die deutsche Bundeskanzlerin Ă€uĂert nun âgroĂe Sorgenâ angesichts der âfortwĂ€hrenden Abholzungâ und âBrĂ€ndeâ, die in den letzten Wochen im Amazonas zugenommen haben. Dies ist das erste Mal, dass Angela Merkel solche Kritik an dem Abkommen geĂ€uĂert hat. Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron hat bereits damit gedroht, das Abkommen nicht zu ratifizieren, falls die brasilianische Regierung unter Jair Bolsonaro nicht die notwendigen MaĂnahmen zum Schutz des Urwaldes ergreifen sollte.

