Die neuen Grenzkontrollen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich, die ab Januar eingeführt werden, werden bei Transportunternehmen und Speditionen zu Verzögerungen in britischen Häfen an der Irischen See und am Ärmelkanal führen. Dadurch gerät der britische Export auf das europäische Festland in Gefahr.
Die britischen Häfen haben nicht genügend Platz, um Tausende Lastwagen zu parken, da der Zoll die Ladung kontrollieren muss. Die Regierung plant im Inland „megagroße Zoll-Parkplätze“ einzurichten. Auch für den Export aus Irland drohen Transportprobleme in den Häfen, da deren Waren ebenfalls über britisches (!) Gebiet transportiert werden.
Umfragen zufolge wäre die britische Lammfleischindustrie der größte Verlierer bei einem Brexit ohne Handelsabkommen, da derzeit etwa 89 % des in Großbritannien produzierten Lammfleisches auf die europäischen Märkte gehen. Es wird erwartet, dass im nächsten Jahr rund 3 Millionen Schafe weniger exportiert werden. Wenn diese auf dem britischen Markt landen, wird der Preis zusätzlich unter Druck geraten.
Endet die derzeitige Übergangsphase am 31. Dezember, hat das laut FarmingUK auch nachteilige Auswirkungen auf den britischen Landwirtschaftssektor. Zwischen 2013 und 2017 gingen 82 % des exportierten Rindfleischs und 78 % der Milchprodukte, Eier, Gemüse und Früchte an EU-Märkte.
Die Produktion von Gemüse und Früchten im Vereinigten Königreich ist größtenteils auf den Binnenmarkt ausgerichtet, mit geringem Exportanteil, dennoch hängt ein großer Teil der Landwirtschaft von externen Märkten ab, vor allem der Europäischen Union. Gleichzeitig sind viele EU-Produzenten vom britischen Markt abhängig. Im Jahr 2018 kamen 80 % der Fleischprodukte in Großbritannien an und fast 100 % der Milchprodukte und Eier stammten aus der EU.
Britische Verbraucher kaufen täglich eine breite Palette an EU-Produkten, vor allem frisches Obst, Gemüse und Fleisch. Im Jahr 2018 exportierte die Europäische Union Lebensmittel im Wert von etwa £ 38,2 Milliarden (mehr als £ 15.000 Milliarden) nach Großbritannien.
Irland erwägt den Einsatz zusätzlicher Fährverbindungen von irischen Häfen nach Cherbourg in Frankreich. Jährlich transportieren mehr als 150.000 Lastwagen über 3 Millionen Tonnen Fracht quer durch England von und nach Irland über britische Autobahnen und Häfen, um den europäischen Kontinent zu erreichen.

