Özdemir (Grüne) distanziert sich ausdrücklich von der früheren europäischen Pflanzenschutzrichtlinie (SUR) mit Verboten gegen zu viel „Chemie in der Landwirtschaft“. Diese war damals im Rahmen des Green Deal des damaligen EU-Kommissars Frans Timmermans vorgeschlagen und von Sarah Wiener von den österreichischen Grünen noch verschärft worden. Özdemir sagt, dass dort eine Grenze überschritten wurde, und dass er sich mit seinem Ansatz abheben möchte.
Das BMEL setzt auf Zusammenarbeit, Unterstützung, Beratung und Innovation statt auf Verbote oder gesetzliche Vorgaben, wie nun betont wird. Weitgehend folgen die Empfehlungen der Borchert-Zukunftskommission für die Landwirtschaft (ZKL), um die Auswirkungen von Pflanzenschutzmaßnahmen auf Umwelt, Biodiversität und Gesundheit möglichst gering zu halten.
In Özdemirs Vorschlag wird zunächst darauf gesetzt, möglichst viele andere natürliche und biologische Pflanzenschutzmittel einzusetzen und auszuprobieren. Berlin kündigt zudem an, dass es Fördermittel für die Entwicklung von Präzisionsgeräten zum Entfernen / Pflücken von Unkraut geben wird. Sein Vorschlag enthält jedoch noch kein „neues Geld“; dies müssen sein BMEL-Ministerium und der Bundestag bei der Festlegung der jährlichen Haushalte regeln.
Der Bundesminister betonte auch, dass neue Methoden an Modellbetrieben und in Modellregionen erprobt werden müssen. „Natürlich müssen Landwirtinnen und Landwirte ihre Kulturen auch künftig schützen und behandeln können, wenn es nötig ist“, erklärt Özdemir. „Wir werden nur erfolgreich sein, wenn wir Nachhaltigkeit, Ertrag und Einkommenssicherheit gemeinsam denken.“
Er sprach auch über das Dilemma, vor dem die Landwirtschaft steht. „Die menschengemachte Klimakrise stellt uns vor Aufgaben, die wir ohne Pestizide nicht bewältigen können. Die jüngsten Ernteberichte zeigen auf schockierende Weise, wie sehr Stürme und Klimaveränderungen die Erträge beeinflussen“, so Özdemir.
„Andererseits macht der Rückgang der Biodiversität deutlich, dass wir etwas ändern müssen. Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher.“ Deshalb hält Berlin auch an dem Vorhaben fest, die Fläche des ökologischen Landbaus in den kommenden Jahren auf 30 % auszudehnen.
Der deutsche Naturschutzbund (Nabu) bezeichnet dies in einer Reaktion als ersten Schritt. DBV-Vorsitzender Joachim Rukwied nennt die nun vorgestellte Version besser als frühere Vorschläge von Özdemir. Nach Ansicht des Bauernverbands bleibt es jedoch ein Vorschlag, der auf Reduzierung und Beschränkung abzielt.
Der Bioland-Verband kritisiert, dass Özdemir nun (nach den Bauernprotesten dagegen) von seinem früheren Plan einer Abgabe oder Düngemittelstrafe auf den Chemikalieneinsatz absieht, um damit Subventionen für umweltfreundliche Mittel vergeben zu können.

