Das britische Importverbot betrifft nicht nur die Einfuhr lebender Tiere wie Rinder, Schweine und Schafe, sondern auch frische Fleischprodukte. Dies ist ein empfindlicher Schlag für Deutschland, da Großbritannien ein wichtiger Handelspartner für landwirtschaftliche Erzeugnisse ist. Die deutsche Fleischindustrie verliert damit für mindestens die nächsten drei Monate etwa 20 Prozent ihres Absatzmarktes.
Das bedeutet, dass große Mengen Fleisch nun auf dem europäischen Markt neue Abnehmer finden müssen. Der große dänische Fleischkonzern Danish Crown betreibt in Deutschland einen Schweineschlachthof und zwei Rinderschlachthöfe. Der Export von Rindfleisch aus Deutschland in Länder außerhalb Europas ist nach Angaben des Schlachtbetriebs nun nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.
Der Geschäftsführer des größten deutschen Schlachtunternehmens Tönnies erwartet kurzfristig Umsatzverluste in Höhe von einer halben Milliarde Euro für die Fleischindustrie sowie einen Zusammenbruch der Erzeugerpreise. Die deutschen Schweinehalter sind jedoch wenig beeindruckt, da ihr Export in Nicht-EU-Länder bereits wegen des Vorkommens der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland größtenteils zum Stillstand gekommen ist.
Um den betroffenen Betrieb im Osten Deutschlands wurde eine Schutzzone von drei Kilometern eingerichtet, in der ein Transportverbot für Vieh und deren Produkte gilt. Darüber hinaus wurde innerhalb eines zehn Kilometer-Radius ein Beobachtungsgebiet festgelegt. Das Veterinärkomitee der Europäischen Kommission hat am Dienstag den Maßnahmen der deutschen Bundesländer gegen den MKS-Ausbruch zugestimmt.
Durch die EU-Zustimmung zur Schutzzone, zum Transportverbot und zur Keulung auf dem betroffenen Betrieb kann der deutsche Milch- und Fleischhandel innerhalb der 27 EU-Länder jedoch fortgesetzt werden. Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir nannte es „gute Nachrichten“ für die Branche, dass Brüssel die Zone um das Krisengebiet nicht erweitert hat.
In der Europäischen Union gilt die Gefahr der Maul- und Klauenseuche seit den 1990er-Jahren faktisch als gebannt. Auch Deutschland besitzt bei den Tiergesundheitsorganisationen seit Jahrzehnten den Status „frei von Maul- und Klauenseuche ohne Impfung“. Doch seit letztem Freitag ist das vorbei.

