Franzosen, die durch chemische Pflanzenschutzmittel und Pestizide gesundheitlichen Schaden oder Verletzungen erlitten haben, können bald finanzielle Unterstützung aus einem speziellen Gesundheitsfonds erhalten. Die Entschädigung ist vor allem für Bewohner des französischen ländlichen Raums sowie für Bauern, deren Familien und Personal gedacht.
Der neue Fonds wird vom Sozialen Landwirtschaftsfonds (MSA) verwaltet. Dieser regelt bereits verschiedene soziale Leistungen und Entschädigungen, insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich. Eine Entschädigung kann an Franzosen gezahlt werden, die bei der MSA gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert sind.
Auch pensionierte Selbstständige können Anträge für sich selbst und ihre Angehörigen stellen. Der Fonds soll zudem für Kinder offenstehen, die während der Schwangerschaft durch berufsbedingte Exposition ihrer Eltern Schaden genommen haben.
Der Ausgleichsfonds wird durch Beiträge von Versicherungsgesellschaften finanziert. Zudem wird eine neue französische Steuer auf den Verkauf von chemischen Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden erhoben, um den Fonds zu unterstützen. Dass die französische Regierung sich nicht an der Finanzierung beteiligt, wurde von Herstellern kritisiert. Der Verband der Pflanzenschutzmittelhersteller (UIPP) weist darauf hin, dass die französische Regierung selbst die Verwendung dieser Mittel zugelassen hat.
In Frankreich ist die Parkinson-Krankheit inzwischen als Berufskrankheit für Bauern anerkannt. Es gibt Hinweise darauf, dass auch andere Krankheiten durch Rückstände von Pestizidnutzung verursacht werden, doch ist dies sehr schwer nachzuweisen.
Derzeit untersuchen Forscher im Auftrag der Europäischen Union die Auswirkungen von Feinstaub mit Pestiziden auf die Lunge. Frühere Untersuchungen fanden Rückstände von mehreren Pflanzenschutzmitteln in fast jedem dritten Lebensmittelmuster, bis zu 29 verschiedene Stoffe in einem Produkt. Alle jedoch in niedrigen Konzentrationen und unter der maximal zulässigen Grenze, somit sicher gemäß den geltenden Normen.
Violetta Geissen, Professorin für Bodendegradation und Landmanagement an der Universität Wageningen, leitet das europäische Forschungsprojekt SPRINT, das begonnen hat, die Auswirkungen von Pestiziden auf die Gesundheit von Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt zu messen.
EU-Kommissar Frans Timmermans möchte die Anzahl der Pestizide innerhalb von zehn Jahren halbieren und ebenfalls das Risiko um die Hälfte reduzieren. Die EU-Forscher erwarten im kommenden Frühjahr eine Liste erstellen zu können, welche Mittel die höchste Toxizität besitzen und am häufigsten in der Umwelt vorkommen.

