Die Länder der Europäischen Union müssen so schnell wie möglich von ihrer Abhängigkeit vom russischen Gas wegkommen, so wurde in den vergangenen Tagen bei ihren Gipfeltreffen in Brüssel vereinbart.
Die Vereinigten Staaten werden den EU-Ländern bereits in diesem Jahr mindestens 15 Milliarden Kubikmeter verflüssigtes Erdgas (LNG) mehr liefern als im Vorjahr. Das entspricht etwa 10 Prozent dessen, was Europa derzeit jährlich noch von Russland bezieht.
Insgesamt bezieht Europa jährlich zwischen 150 und 190 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland. Da einige EU-Länder für ihre Energieversorgung zu mehr als der Hälfte oder zu drei Vierteln davon abhängig sind, wollen manche Länder nicht auf einen Schlag alles abschalten. Deshalb müssen zuerst andere Energieanbieter gefunden werden, wie Katar, Saudi-Arabien oder die USA.
Bis 2030 wollen die USA der EU 50 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas bereitstellen. Das könnte ein Drittel der jährlich aus Russland kommenden Menge ersetzen. Diese Vervielfachung könnte nach Einschätzung von Insidern bereits innerhalb von zwei Jahren realistisch sein. Auch Kanada hat zugesagt, mehr LNG und Öl an die EU-Länder liefern zu wollen.
Die EU und die USA setzen zudem auf Gaseinsparungen. Sie werden beispielsweise den Einsatz von intelligenten Thermostaten fördern, Installateure von Solarpaneelen ausbilden und die Erteilung von Genehmigungen für grüne Energie erleichtern. Auch soll der CO2-Ausstoß von LNG-Anlagen reduziert werden.
Darüber hinaus wurde beschlossen, die Klimapolitik und die Energiewende von fossil auf nachhaltig zu beschleunigen und dass die EU selbst mehr eigenes Biogas produzieren muss. Die neue deutsche Koalition hat sich als neues politisches Ziel gesetzt, bereits 2027 vollständig vom fossilen Gas wegzukommen, was eine enorme Kehrtwende gegenüber ihren früheren Plänen mit der russischen Pipeline Nord Stream 2 darstellt. Deutschland will zudem noch in diesem Jahr die Einfuhr von russischem Öl halbieren.
Für die Versorgung, Speicherung und den Transport deutlich größerer Mengen an verflüssigtem LNG-Gas müssen jedoch schnell zusätzliche Speichertanks und Verarbeitungsanlagen gebaut werden. EU-Länder mit Seehäfen können wichtige neue „Gas-Knotenpunkte“ werden. Es wird erwartet, dass die EU-Länder wahrscheinlich mehr bezahlen werden als derzeit für das russische Gas.

