Strohschneider wurde von Von der Leyen gebeten, in den kommenden Monaten die Gespräche zwischen allen Beteiligten der EU-Landwirtschaft zu leiten. Bis vor einigen Jahren war er Mitglied der Borchert-Kommission, die sich in Deutschland mit einem Zukunftsszenario für Landwirtschaft und Viehzucht beschäftigte. Geplant ist, den Dialog im Sommer abzuschließen und bis September einen Visionsplan zu präsentieren.
Der „strategische Dialog“ wurde am 13. September 2023 von Von der Leyen vorgestellt, um „mehr Dialog und weniger Polarisierung“ in der Agrarpolitik zu fördern. Dafür wurden nun Lebensmittelproduzenten, NGOs und verschiedene Interessengruppen aus der Landwirtschaft zusammengebracht.
Landwirte in Agrarländern wie Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Polen und Rumänien haben ein breites Spektrum an Beschwerden. Ihre Proteste richten sich sowohl gegen nationale Gesetzesvorschläge als auch gegen neue europäische Regelungen. In mehreren Ländern blockieren wütende Landwirte mit Traktoren Autobahnen. Ihre Unruhe wird (vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien) auch durch rechtsextreme Parteien angeheizt, die im Vorfeld der Europawahl im Juni Wählerunterstützung suchen. Meinungsumfragen deuten auf einen möglichen starken Rechtsruck hin.
Lange Zeit lag innerhalb der EU fast die gesamte Zuständigkeit für Landwirtschafts- und Lebensmittelthemen beim Landwirtschaftskommissar und dem Landwirtschaftsausschuss, die vor allem die Interessen der europäischen Landwirte in den Vordergrund stellten. Zum Frust von Naturschutzorganisationen, Bio-Landwirten, Umweltgruppen und links-liberalen Fraktionen hat sich daran erst seit dem Amtsantritt der aktuellen Kommission unter Von der Leyen etwas geändert.
Unter der Leitung der Kommissare Frans Timmermans (Klima) und Virginius Sinkevicius (Umwelt) wurden in den letzten Jahren mehrere Kompetenzen von Landwirtschaft auf Umwelt übertragen, sehr zum Unmut vieler Landwirte und ihrer europäischen Dachverbände. Dies trägt mit dazu bei, dass die Debatte um Landwirtschaft und Ernährung nach wie vor von gegensätzlichen Positionen zwischen dem Landwirtschaftsausschuss (AGRI) und dem Umweltausschuss (ENVI) im Europäischen Parlament geprägt ist.
Nach Angaben des spanischen Landwirtschaftsministers Luis Planas hat Brüssel im Gemeinsamen Agrarpolitik, im Green Deal, in der Farm-to-Fork-Strategie und in anderen agrarischen Regelungen „Umweltanforderungen an die Landwirtschaft gestellt [...] ohne angemessene Erklärung, Dialog oder finanzielle Unterstützung“. Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Maroš Šefčovič, der Nachfolger von Frans Timmermans für den Green Deal, hält den strategischen Dialog jedoch für den „richtigen Zeitpunkt“ – auch wenn einige Minister behaupten, es sei eigentlich schon zu spät.
Kritiker meinen, es werde „schwierig“ sein, vor der EU-Wahl im Juni Ergebnisse zu erzielen. Sollte das so sein, wird die gesamte Angelegenheit de facto über die Wahl (Juni 2024) hinausgeschoben, anschließend müssen die politischen Fraktionen einen Kompromiss finden und Kommissare einer neuen Europäischen Kommission diesen (ab 2025) umsetzen.

