Agrarkommissar Janusz Wojciechowski lehnt EU-Subventionen für die private Lagerung von überschüssigem Schweinefleisch nicht länger grundsätzlich ab. Auf dem Agrarrat Anfang dieser Woche hat sich Slowenien den 13 anderen EU-Ländern angeschlossen, die bereits zuvor eine Intervention auf dem Schweinemarkt gefordert hatten.
Um den Schweinehaltungssektor zu unterstützen, möchte der EU-Kommissar für Landwirtschaft prüfen, ob Europa Maßnahmen ergreifen kann, die einen Teil der Absatzprobleme lösen. Dabei wird speziell die private Lagerregelung für Schweinefleisch betrachtet, um Schweinefleisch temporär vom Markt zu nehmen. Für Rindfleisch, Milchprodukte, Gemüse und Obst gibt es bereits eine solche Regelung.
Auf einer Pressekonferenz nach dem (geschlossenen) Agrarrat sagte Wojciechowski, dass er die Möglichkeiten der privaten Lagerung untersuchen wolle. Zuvor müssten jedoch alle Auswirkungen einer Intervention geprüft werden. Der Agrarkommissar betonte, dass der Schweinesektor in Europa besonders heterogen sei.
Er wies darauf hin, dass es kaum große Schwankungen oder Marktverzerrungen gebe und der Schweinepreis zwar niedrig, aber stabil sei. Außerdem warnte er vor noch niedrigeren Preisen, falls ein eingefrorener Schweinefleischbestand in einigen Monaten wieder auf den Markt komme.
Der Agrarkommissar merkte auch an, dass die EU-Länder sehr unterschiedliche Strukturen kennen. Der durchschnittliche rumänische Schweinehalter hält 4 Schweine, in Dänemark sind es 3.700.
Dass eine Mehrheit der EU-Länder geschlachtetes Schweinefleisch vorübergehend vom Markt nehmen und in Gefrierzellen lagern möchte, bedeutet noch nicht, dass „die“ Schweineindustrie dies will. Im Gegenteil: Drei große Schweinefleisch-Exporteure, darunter Deutschland und die Niederlande, haben dies bislang nicht gefordert.
Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie (Anfang letzten Jahres) sind die Einnahmen auf katastrophal niedrige Niveaus gefallen, während die Kosten gestiegen sind. Die deutsche Schweineindustrie ISN weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die derzeitigen niedrigen Preise nicht durch großflächige, langanhaltende Schlachthofschließungen (Corona) oder ausgefallenen Inlandsverbrauch verursacht seien.
Mehrere EU-Länder führen die Situation vor allem auf den Wegfall von Exportzielen (China!) infolge der sich ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest in den EU-Ländern zurück, wodurch es ein Überangebot auf den europäischen Märkten gibt. Diese Länder sind der Meinung, dass die EU und die mittelosteuropäischen Länder viel mehr gegen die Ausbreitung der ASP tun müssen.

