Die Europäische Union und Indien werden erneut über ein umfangreiches Handelsabkommen verhandeln. Dies haben der indische Präsident Narendra Modi und die EU-Führer bei einem Video-Gipfeltreffen vereinbart.
Modi und die EU-Führer hätten dies eigentlich am Samstag bei einem Gipfel in Porto, Portugal, besiegeln sollen, doch der indische Präsident entschied sich, zu Hause zu bleiben, da sein Land nahezu unter einer neuen Welle von Corona-Infektionen zusammenbricht.
Vor acht Jahren scheiterten die Verhandlungen zwischen Indien und der EU unter anderem an Indiens Bedingungen, die eigene Industrie und Landwirtschaft angesichts der stark wachsenden europäischen Wirtschaft schützen zu wollen.
Traditionell ist Indien stark auf den Handel mit Großbritannien ausgerichtet, doch seit dem Brexit muss es nun mit London und Brüssel neue Abkommen schließen. Zudem sind die EU und Indien in den letzten Jahren näher zusammengerückt, da beide mit dem Aufstieg Chinas konfrontiert sind.
Bei den Verhandlungen 2013 hielt Indien nach Ansicht der EU zu sehr an seinem protektionistischen Kurs fest. So erhebt Indien hohe Einfuhrzölle auf beispielsweise europäische Lebensmittel. Auch über das Patentrecht und das Recht der Inder, in Europa zu arbeiten, waren sich Indien und die EU uneinig. Inzwischen fordern einige EU-Länder hochqualifizierte indische Ingenieure und Pflegekräfte.
Außerdem wird heute in den EU-Ländern – unter anderem wegen der Corona-Pandemie und dem Aufstieg neuer wirtschaftlicher Großmächte wie China und Brasilien – anders über uneingeschränkten weltweiten Freihandel gedacht.
Zunächst werden die EU und Indien nun über unvorhersehbares Regierungshandeln und den Schutz von ortsbezogenen Produktnamen verhandeln. Sie wollen auch den Internetverkehr erleichtern und Energienetzwerke verbinden.
Auch werden sie wieder über Menschenrechte und die Sicherheit der Länder rund um den Indischen und den Pazifischen Ozean sprechen, eine Region, in der China versucht, seinen Einfluss auszuweiten.

