Greenpeace, der Finnische Naturschutzverband und Amnesty International betonen, dass vor allem die Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft und im Verkehrssektor verringert werden müssen. Zudem warnen die Umweltorganisationen, dass die großflächige Abholzung eine bedeutende Bedrohung für die Kohlenstoffbindung in den finnischen Wäldern darstellt.
Die Forst- und Papierindustrie aus den ausgedehnten Wäldern ist eine wichtige Säule der finnischen Wirtschaft, aber neue EU-Naturschutzgesetze stellen zunehmend strengere Anforderungen. Dies gilt auch für die Holzindustrie in anderen waldreichen EU-Ländern wie Schweden, Norwegen sowie Tschechien, der Slowakei und Rumänien.
Es ist nicht das erste Mal, dass finnische Organisationen rechtliche Schritte einleiten. Im Jahr 2022 wurde eine ähnliche Beschwerde eingereicht, die jedoch abgelehnt wurde, da das Klimagesetz damals noch zu neu war, um eine wirksame Bewertung vornehmen zu können. Seitdem hat sich die Lage jedoch verschlechtert. Im jährlichen Klimabericht 2023 gab die finnische Regierung selbst zu, dass die Klimaziele wahrscheinlich nicht erreicht werden, was die Grundlage für die aktuelle Klage bildet.
Die Umweltorganisationen stützen ihre Klage unter anderem auf ein kürzlich ergangenes Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) gegen die Schweiz, in dem entschieden wurde, dass unzureichende Klimamaßnahmen eine Verletzung der Menschenrechte darstellen. Die finnischen Gruppen hoffen, dass dieses Urteil einen Präzedenzfall für ihren eigenen Fall schafft.
Die finnische Regierung verteidigt sich mit dem Argument, bereits erhebliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Klimaziele zu erreichen, und dass Zeit benötigt wird, um neue Maßnahmen umzusetzen. Umwelt- und Klimaminister Kai Mykkänen räumte zwar Probleme bei der Kohlenstoffspeicherung in den Wäldern ein, betonte jedoch, dass weiterhin Pläne vorliegen, um weitere Schritte zu ergreifen.
Diese Klage in Finnland ist Teil eines größeren Trends in Europa, bei dem Umweltorganisationen zunehmend rechtliche Schritte gegen Regierungen einleiten, die ihrer Ansicht nach im Klimaschutz versagen. In Deutschland gewann eine Gruppe Jugendlicher einen historischen Prozess gegen die Regierung, was zu strengeren Klimagesetzen führte.
Auch in den Niederlanden wurde die Regierung 2019 von einem Gericht dazu verpflichtet, mehr gegen den Klimawandel zu tun, nachdem die Urgenda-Stiftung eine Klage eingereicht hatte. Solche Rechtsstreitigkeiten verdeutlichen den zunehmenden Druck auf Regierungen, den Klimawandel ernsthaft zu bekämpfen und ihre internationalen Verpflichtungen einzuhalten.

