Frankreich betrachtet Prostatakrebs, der durch Pestizidexposition in der Landwirtschaft verursacht wird, künftig als Berufskrankheit. Landwirte müssen nicht länger selbst den Zusammenhang zwischen ihrer Erkrankung und der Chemikalienexposition nachweisen. Bereits vor zehn Jahren erkannte Frankreich die Parkinson-Krankheit als Berufskrankheit in der Landwirtschaft an.
Voraussetzung ist, dass Landarbeiter mindestens zehn Jahre dem Pflanzenschutzmittel ausgesetzt waren und der Krebs spätestens vierzig Jahre nach dem Kontakt entstanden ist. Der französische Gesetzgeber führt das erhöhte Krankheitsrisiko nicht auf einen bestimmten Wirkstoff zurück, sondern allgemein auf wiederholte Exposition gegenüber Pflanzenschutzmitteln. Unter Exposition versteht man beispielsweise den direkten Kontakt mit den Mitteln, das Einatmen derselben oder den Kontakt mit behandelten Pflanzen.
Der französische Agrarminister Julien Denormandie hatte die Anerkennung von Prostatakrebs bereits Ende Oktober im Beisein von Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft zugesagt. Betroffene können nun eine Krankheitsrente bei ihrer Sozialversicherung beantragen. Das Dekret betrifft alle Landarbeiter, ist aber besonders wichtig für die Bewohner der französischen Antilleninseln Guadeloupe und Martinique.
Zwischen 1972 und 1993 wurde dort das Pestizid Chlordecone in großen Mengen auf Bananenplantagen eingesetzt. In einer Untersuchung wurden Rückstände des Mittels bei 90 Prozent der Erwachsenen nachgewiesen. Guadeloupe und Martinique gehören zu den Regionen mit den höchsten Prostatakrebsraten weltweit.
In Niederlanden und anderen EU-Ländern wird ebenfalls seit längerer Zeit wissenschaftlich zu den medizinischen Folgen des Einsatzes chemischer Mittel in Gewächshäusern und auf Feldern geforscht. Die Gewerkschaft FNV hat bereits zuvor festgestellt, dass der Zusammenhang zwischen Pestiziden und tödlichen Erkrankungen bei Landwirten wissenschaftlich belegt ist.
Ende 2019 wurde in einer Zembla-TV-Sendung auf Parkinson durch landwirtschaftliche Mittel aufmerksam gemacht, doch in den Niederlanden ist dieser Zusammenhang offiziell noch nicht anerkannt. Laut Neurologe Bas Bloem (Radboud UMC Nijmegen) ist der Zusammenhang jedoch überdeutlich.
Bei einer Meldestelle der Parkinson-Vereinigung Niederlande haben sich nach der Zembla-Sendung mehr als achtzig Personen gemeldet, die an Parkinson leiden und früher mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet hatten.

