Frankreich hat sich dem deutschen Verbot des Tötens männlicher Küken angeschlossen. Bereits ab dem kommenden Jahr will Frankreich die umstrittene Praxis verbieten. Deutschland hatte im Mai bereits die gleiche Entscheidung angekündigt.
Mit Unterstützung von fünf weiteren Ländern (Österreich, Spanien, Irland, Luxemburg und Portugal) haben Deutschland und Frankreich am Montag die anderen Landwirtschaftsminister zu einem EU-weiten Verbot des Tötens von Eintagsküken aufgerufen.
Jährlich werden in Frankreich mehr als 50 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet; nur die weiblichen Tiere dürfen als zukünftige Legehennen leben. Eine Praxis, die Tierschützer seit Jahren scharf kritisieren.
Dank einer neuen Technik zur Geschlechtsbestimmung von Embryonen im Brutei ist es bereits nach wenigen Tagen möglich, zu verhindern, dass Eier mit männlichen Küken ausgebrütet werden. Ab dem 1. Januar 2022 müssen alle französischen Brütereien solche Geräte installiert oder bestellt haben, erklärte der französische Minister Julien Denormandie am Montag (19. Juli) am Rande eines Treffens der Landwirtschaftsminister in Brüssel.
Obwohl der französische Businessplan France Relance bereits eine „enorme“ Investition von zehn Millionen Euro zugesagt hat, wird die Umstellung auf die neue Technologie beträchtliche zusätzliche Kosten für die französische Geflügelindustrie mit sich bringen.
Auch niederländische Parlamentsmitglieder sind der Ansicht, dass das Töten von männlichen Küken kurz nach dem Schlüpfen so schnell wie möglich verboten werden sollte. Eine Mehrheit in der Zweiten Kammer möchte daher, dass ein solches Verbot auch in Niederlande eingeführt wird. Landwirtschaftsministerin Carola Schouten hatte zuvor erklärt, ein solches Verbot noch nicht zu befürworten, da die Geflügelbranche bereits intensiv an Alternativen arbeitet.
In den Niederlanden beschäftigen sich unter anderem Respeggt und In Ovo mit Techniken zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Die niederländische Geflügelbranche steht seit 2014 in Kontakt mit der Firma aus Leiden. Auch die Universität Leiden, der Tierschutz und das Ministerium für Landwirtschaft, Natur- und Lebensmittelqualität (LNV) sind an der Entwicklung beteiligt.
In diesem Frühjahr stellte In Ovo die Maschine Ella vor, an der fast zehn Jahre lang gearbeitet wurde. Sowohl In Ovo als auch Respeggt legen die zusätzlichen Kosten nicht den Geflügelhaltern auf. Man biete den Eierhändlern einen Service, indem man für sie die Geschlechtsbestimmung durchführe, so heißt es.
Der Tierschutz begrüßt die Geschlechtsbestimmung von Embryonen im Ei. Er sieht gern, dass die Geschlechtsbestimmung noch früher erfolgen kann. „Je früher die Eier aus dem Brutprozess genommen werden, desto sicherer ist es, dass keine Schmerzempfindung besteht“, sagt ein Sprecher.

