Im November letzten Jahres, kurz vor den polnischen Parlamentswahlen, wurde die Renovierung, Erweiterung und der Betrieb eines neuen Umschlagterminals im Ostseehafen Gdynia für dreißig Jahre an ein internationales Konsortium vergeben. Dazu gehört auch das Szczecin Bulk Terminal (SBT) zusammen mit den Beratungsunternehmen Tapini und Ribera. Diese beiden Büros sind mit dem in Rotterdam ansässigen Unternehmen Viterra verbunden.
Letzteres Unternehmen zählt zu den Top-Ten im weltweiten Handel mit Rohstoffen und Lebensmitteln und verfügt in einigen Dutzend Ländern über eigene Massengutfrachter, Tanker, Häfen, Transportmittel und „eigene“ Logistik. Damit wäre der Getreideumschlag in Gdynia weitgehend in den Händen eines internationalen Konzerns, der auch eng in den Handel mit russischem Getreide eingebunden ist, einem der großen Konkurrenten ukrainischer und europäischer Agrarprodukte.
Nach Angaben der polnischen Viterra-Geschäftsführung mangelt es dem polnischen Getreideexport bereits jetzt an ausreichenden Transportmöglichkeiten für das eigene polnische Getreide, unter anderem aufgrund der hohen Nachfrage nach Umschlagkapazitäten für den Export ukrainischen Getreides.
Bereits im März dieses Jahres gab es jedoch in der neuen pro-europäischen polnischen Regierung Stimmen, die eine Kündigung des Vertrags forderten. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass die nationale polnische Lebensmittelindustrie an der Ausschreibung teilnehmen sollte. Außerdem wurde betont, dass die Übertragung der Kontrolle über den strategischen Hafen an Unternehmen, die in den globalen Rohstoff- und Getreidehandel involviert sind (die Viterra-Gruppe), nicht mit den polnischen Staatsinteressen vereinbar sei.
Die Hafenbehörde von Danzig kündigte im Januar eine Ausschreibung an, die darauf abzielte, einen Pächter für eine Fläche von fast 24 Hektar zu finden, von der der größte Teil für den Getreideumschlag genutzt werden sollte. Die Ausschreibung für den neuen Europort in Danzig wurde viermal ausgeschrieben, wobei jedes Mal ohne Angabe eines bestimmten Grundes die Ausschreibung wieder annulliert wurde.
Das strategische Interesse am Container- und Getreideumschlag in Gdynia, nur einen Steinwurf entfernt von entscheidenden militärischen NATO-Einrichtungen, wird auch in Brüssel genau beobachtet. Der Hafen wird auch für die Anlieferung von US-amerikanischen und europäischen Militärtransporten in die Ostseeländer Estland, Lettland und Litauen genutzt.
Auch infolge des russischen Krieges in westliche Richtung haben NATO und EU in den letzten Jahren ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf die Stärkung der europäischen Autonomie in den Bereichen Energie und Ernährungssicherheit sowie auf die Verbesserung der internationalen Position gelegt.

