Die neue europäische Agrarpolitik muss überarbeitet werden, wenn eine Wirksamkeitsbewertung negative Folgen für die Landwirte zeigt, sagt die neue Vorsitzende des europäischen Agrardachverbands COPA, die Französin Christiane Lambert.
In einem exklusiven Interview mit Euractiv akzeptierte sie die Notwendigkeit, die Landwirtschaft an Umweltziele anzupassen, und unterstützte die „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie, warnte jedoch vor „dogmatischen“ Zielen in der Green Deal-Strategie.
2017 als erste Frau von der französischen Bauerngewerkschaft FNSEA gewählt, wurde sie letzte Woche auch zur Vorsitzenden von COPA ernannt. Als Viehhalterin mit mehr als 19 Jahren Erfahrung ist Lambert von Jugend an eine starke Verfechterin der Landwirtschaft.
Ihr zufolge ist es erforderlich, die F2F-Ziele an die Marktleistung zu koppeln. „Wenn die GD-Strategie zum Beispiel besagt, dass 25 % der Agrarfläche für ökologische Landwirtschaft genutzt werden sollen: Werden die europäischen Bürger dann auch 25 % ökologische Lebensmittel konsumieren?“ fragte sie.
Lambert bedauerte, dass bei der Vorstellung der Strategie im Vorfeld keine Folgenabschätzung zu den künftigen Konsequenzen gemacht wurde. „Ohne Wirksamkeitsbewertung kann keine Entscheidung getroffen werden. Und wenn negative Aspekte auftreten, müssen diese überdacht werden“, fügte sie hinzu.
Eine ähnliche Bemerkung wurde zuvor bereits vom Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski gemacht, der die Möglichkeit eröffnet hat, die ambitionierten Ziele von F2F in einem späteren Stadium zu überdenken, falls die Ernährungssicherheit bedroht sein sollte. „Sollte sich herausstellen, dass diese Strategie sowohl die Ernährungssicherheit als auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirtschaft gefährdet, müssten diese Ziele überdacht werden“, sagte er im Juli vor dem französischen Senat.
Die neu gewählte COPA-Chefin verteidigte das wichtigste EU-Agrarsubventionsprogramm, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), gegen Angriffe, insbesondere von Umweltverbänden. Sie äußerte ihre Enttäuschung darüber, dass „Landwirtschaft“ letzte Woche in der ersten Rede zur Lage der Union von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nicht erwähnt wurde. Lambert kündigte an, künftig jährlich eine eigene „State of the Agricultural Union“ zu erstellen.
Um den Unsicherheiten handeln zu können, die der Handel mit sich bringt, machte Lambert deutlich, dass die Landwirtschaft im Zentrum internationaler Handelsabkommen stehen muss. Inspiriert vom ehemaligen Handelskommissar Phil Hogan sprach sie ihre Unterstützung für „offene strategische Autonomie“ aus.
Sie warnte, dass die Öffnung der Grenzen die EU in Konkurrenz zu Ländern bringen könnte, die nicht dieselben Produktionsregeln haben, und betonte, dass die EU keine Produkte aus Ländern hereinlassen könne, mit denen keine gemeinsamen Standards bestehen, sagte sie insbesondere im Hinblick auf geplante Abkommen mit Mercosur oder Ozeanien.

