Die konservative Partei des britischen Premierministers Boris Johnson wird morgen bei den Wahlen im Unterhaus eine Mehrheit erreichen. Das prognostiziert eine ganz aktuelle Meinungsumfrage von YouGov. Dennoch ist Johnson alles andere als sicher über seinen Sieg.
Die Konservativen würden 339 der 650 Sitze im Unterhaus gewinnen. Das ist zwar eine Steigerung gegenüber den Wahlen 2017 (damals verlor die frühere Parteichefin Theresa May unerwartet), aber weniger als der Meinungsforscher zuvor vorhergesagt hatte. Ende November lag Johnson noch bei 359 Sitzen.
Die Oppositionspartei Labour käme auf 231 Sitze, also 12 weniger als 2017. Die Scottish National Party (SNP) würde um 6 Sitze auf 41 wachsen und die Liberal Democrats würden 15 Sitze erhalten. Die meisten Analysten gehen von einer komfortablen Mehrheit für die Konservativen aus.
Die Prognose von YouGov ist wegen des britischen Wahlkreissystems sehr knapp. Der Unterschied zwischen einer Mehrheitsbildung und keiner Mehrheitsbildung beträgt nur 14 konservative Sitze. Dadurch ist der mögliche Verlust von zwölf Sitzen bei Labour ärgerlich: Hätte Jeremy Corbyn seine Partei auf „normaler Stärke“ gehalten, hätte Johnson keine Mehrheit und eine Mitte-Links-Koalition könnte ins Blickfeld geraten.
„Es kann nicht spannender sein, es kann sehr eng werden“, meint Johnson selbst. Die Folgen seien laut dem britischen Premier dann negativ. „Ich sage nur allen, dass das Risiko real ist, dass wir morgen wieder in ein Parlament ohne Partei mit absoluter Mehrheit gehen“, so der Premier. Er erwartet dann unter anderem weitere Verzögerungen bei der Entscheidungsfindung für sein Land.
Die Briten gehen morgen zur Wahl, nachdem das Parlament sich weigerte, über den Brexit-Deal abzustimmen, den Johnson mit der Europäischen Union ausgehandelt hatte. Seit dem Referendum 2016 prägt der Austritt aus der EU die britische Politik vollständig. Zwei Regierungen – die von David Cameron und seine Nachfolgerin Theresa May – überlebten das geplante Ausscheiden aus der EU nicht. Der aktuelle Premierminister Boris Johnson hofft auf ein anderes Ergebnis und sagt, dass er mit seiner neuen Mehrheit Ende Januar aus der EU austreten wird.

