Aus einer aktuellen Desk-Studie der Rijksdienst voor Ondernemend Nederland (RVO) wurde bereits Anfang dieses Jahres ersichtlich, dass immer mehr neue Lebensmittel früher ihren Weg in Singapur als in die Europäische Union finden. Die RVO-Untersuchung wurde auf Anfrage des Landwirtschaftsrats der niederländischen Botschaft in Singapur durchgeführt.
Laut der RVO-Studie liegt die langsame europäische Bearbeitung vor allem daran, dass der Bewertungsprozess immer wieder unterbrochen wird, wenn Brüssel von den Antragstellern neue Detailinformationen anfordert, welche erst ausgewertet werden müssen. Dies kann bei einem Antrag mehrmals vorkommen.
Durch diese Verzögerung haben besonders Start-ups Schwierigkeiten, Finanzierungen zu erhalten. Im Juli letzten Jahres war die Niederlande das erste Land in der EU, das Tests mit kultiviertem Fleisch erlaubte. Das EFSA-Zulassungsverfahren kann laut befragten niederländischen Unternehmen bis zu drei Jahre dauern.
In Singapur soll die Zulassung von kultiviertem Fleisch höchstens neun bis zwölf Monate dauern. Die Singapore Food Agency zieht aktiv Organisationen und Unternehmen im Bereich kultiviertes Fleisch und Fermentation aus der ganzen Welt an. Für niederländische Firmen liegt der Vorteil darin, dass sie ihre Produkte auf relativ kurze Sicht auf den Markt bringen können.
Gerade erst letzten Monat gab Brüssel bekannt, dass zwanzig neue Algensorten in die Lebensmittelkette aufgenommen wurden. Die Hersteller der Algen müssen somit nicht mehr das zeitaufwändige und kostenintensive Novel Food-Verfahren durchlaufen. Über 250 niederländische Unternehmen arbeiten derzeit an der Transformation im Proteinkonsum, wie aus der RVO-Desk-Studie hervorgeht.
Singapur war 2020 das erste Land weltweit, das den Konsum und Verkauf von kultiviertem Fleisch genehmigte. Im vergangenen Jahr folgten die Vereinigten Staaten. Über Zulassungen in den Niederlanden entscheidet die EU. Die Niederlande können jedoch selbst über sogenannte Verkostungen neuer Formen natürlichen Essens entscheiden und haben dies – als erstes Land in der EU – bereits im vergangenen Jahr getan.
Im Jahr 2022 schloss das singapurische Unternehmen Esco Aster Absichtserklärungen mit zwei niederländischen Biotechnologieunternehmen. Ziel ist es, dass Esco Aster das kultivierte Rindfleisch von Mosa Meat und das kultivierte Schweinefleisch von Meatable in Singapur auf den Markt bringt.

