Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den vier südamerikanischen Mercosur-Ländern ist vorteilhaft für beide Volkswirtschaften. Dies geht aus der Veröffentlichung der lang erwarteten Wirkungsabschätzung des Mercosur-Abkommens hervor.
Die Sustainability Impact Assessments (SIA) ist ein unabhängiger Bericht, der von der London School of Economics im Auftrag der Europäischen Kommission erstellt wurde. Laut der SIA wird das Mercosur-Abkommen positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaften beider Handelsblöcke haben. Die SIA stellt fest, dass auch der Agrarsektor in der EU von dem Abkommen profitieren wird.
Nach vorsichtigen Berechnungen kann das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den nächsten zehn Jahren in der EU um 0,1 % wachsen, in Mercosur um 0,3 %. Ein ambitionierteres Szenario sagt das Doppelte voraus: 15 Milliarden Euro für die EU-Länder und 11,4 Milliarden Euro für die südamerikanischen Länder im gleichen Zeitraum.
Das Abkommen wird die Gesamtexporte der EU um etwa ein halbes Prozent steigen lassen und die Importe um etwa ein Prozent. Die Lieferung von Rindfleisch aus Mercosur wird jedoch deutlich schneller wachsen, um 30 % oder sogar 64 %. In den EU-Ländern wird gleichzeitig die Fleischproduktion um jeweils 0,7 % bis 1,2 % schrumpfen.
Der Wirkungsbericht besagt, dass die europäische Milchexportwirtschaft erheblich von den niedrigeren Einfuhrzöllen profitieren würde. Im konservativen Szenario wird von einem Milchproduktanstieg von 91 % ausgegangen; im ambitionierten Szenario sind das nochmals 30 Prozentpunkte mehr.
Die SIA geht auch auf die Folgen für Umwelt, Menschenrechte und die indigenen Völker Südamerikas ein. Diese Themen stehen im Zentrum der Kritik an der EU-Politik. Laut den wirtschaftlichen Forschern bietet das Abkommen ausreichend Möglichkeiten für Verbesserungen.
Die Europäische Kommission hat bereits klargestellt, dass sie Zugeständnisse der Mercosur-Länder benötigt, bevor das Abkommen dem Europäischen Parlament zur Zustimmung vorgelegt werden kann.

