In der Bregenzerwald-Region von Vorarlberg wurde ein großer Landwirtschaftsbetrieb mit über 100 Rindern aufgrund des Verdachts auf Rindertuberkulose (TBC) geschlossen. Der Verdacht entstand nach Auffälligkeiten, die bei einer Schlachtung in Deutschland entdeckt wurden. Einige Tiere wurden bereits "diagnostisch getötet" für weitere Untersuchungen.
Die Behörden haben nun rund 60 weitere Betriebe identifiziert, die Kontakt mit dem infizierten Betrieb hatten, was bedeutet, dass insgesamt über 600 Rinder möglicherweise gefährdet sind. Die Betriebe wurden informiert, und die betroffenen Tiere werden auf TBC getestet. Derzeit wurden noch keine weiteren Betriebe geschlossen.
Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, haben die veterinärmedizinischen Behörden in Absprache mit dem Gesundheitsministerium weitere Keulungen beschlossen. Neben den bereits untersuchten Tieren sollen auch ausgewählte Rinder aus Kontaktbetrieben getestet und gegebenenfalls getötet werden. Diese Maßnahmen sollen die Infektionskette unterbrechen und eine weitere Verbreitung verhindern.
Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger, betont die Ernsthaftigkeit der Lage und bezeichnet sie als eine beispiellose Herausforderung für die Region. Die traditionelle Almweidepraxis im Bregenzerwald, bei der die Tiere den Sommer auf verschiedenen Almen verbringen, erhöht das Risiko der Ausbreitung von Krankheiten wie TBC.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen für betroffene Bauern sind erheblich. Obwohl es Entschädigungsregelungen sowohl vonseiten der Bundesregierung als auch des Bundeslandes gibt, decken diese nicht vollständig den Wert der verlorenen Tiere ab. Die Bundesebene bietet Pauschalbeträge zwischen 950 und 1.250 Euro pro Tier, während das Bundesland bis zu 75 % des geschätzten Wertes eines Tieres erstattet. Trotz dessen bleiben den Bauern finanzielle Verluste.
Neben den direkten Maßnahmen gegen den aktuellen Ausbruch wird auch nach präventiven Schritten gesucht. Eine Maßnahme ist die Reduzierung der Population von Wildhirschen, die als wichtige Überträger der TBC gelten. In den vergangenen Jahren wurde die Anzahl der Jagdlizenzen für Hirsche in der Region deutlich erhöht, um das Übertragungsrisiko auf das Vieh zu minimieren.

