Während eines Gesprächs mit der Vorsitzenden der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen besprach Selenskyj seine frühere telefonische Beratung mit Trump und die verfügbaren diplomatischen Möglichkeiten. Er dankte ihr für die Unterstützung der Europäischen Union und betonte, dass die Ukraine auf ein ehrliches und tatsächlich beendetes Kriegsende mit Unterstützung Europas hinarbeitet.
Selenskyj unterstrich, dass die EU eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der Ukraine spielen werde und nannte dies eines der größten wirtschaftlichen Projekte für den Kontinent in den kommenden zehn Jahren. Er wies darauf hin, dass sich die Ukraine bereits in Beitrittsverhandlungen befindet und das Land Teil der Europäischen Union sein wird.
Das Treffen zwischen Trump und Putin ist für den 15. August in Alaska geplant. Putin hatte zuvor die Vereinigten Arabischen Emirate als Ort genannt, doch beide Parteien entschieden sich letztlich für einen Standort, an dem das Risiko rechtlicher Komplikationen rund um Putin vermieden wird. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat einen internationalen Haftbefehl gegen Putin erlassen. Der Kreml bezeichnete Alaska als logische Wahl.
Putin hat angegeben, dass er nicht möchte, dass Selenskyj oder die EU an den Gesprächen teilnehmen. Ein zuvor vom US-Gesandten Steve Wittkof diskutierter russischer Vorschlag enthielt unter anderem die Forderung, dass die Ukraine die gesamte Region Donbas an Russland abtritt, im Gegenzug für einen Waffenstillstand.
Trump ließ durchblicken, dass ein Abkommen möglicherweise territoriale Austausche umfassen könnte. Diese Andeutung führte zu Besorgnis in der Ukraine und bei europäischen Führungspersönlichkeiten, die befürchten, dass solche Bedingungen die Souveränität der Ukraine untergraben könnten. Die Ukraine betrachtet derartige Vorschläge als inakzeptabel.
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha warnte, dass Russland nicht für den Beginn des Krieges belohnt werden dürfe. Er erklärte, Russland zeige kein aufrichtiges Interesse an Frieden und setze Angriffe auf Zivilisten fort. Die Ukraine bleibe jedoch offen für einen bedeutungsvollen Dialog mit echten Lösungen, so seine Worte.
Innerhalb der EU wurde bereits vereinbart, die Unterstützung für die Ukraine zu verstärken, auch aus Sorge, dass Trump die US-Militärhilfe einschränken könnte. Europäische Länder möchten so verhindern, dass die Ukraine in eine nachteilige Verhandlungsposition gerät bei möglichen bilateralen Abkommen zwischen Washington und Moskau.
Die Europäische Kommission teilte mit, dass Form und Zeitpunkt zukünftiger Friedensgespräche noch unklar seien. Es sei bisher unsicher, ob die EU teilnehmen wird, doch Brüssel betont, dass die Ukraine selbst in alle Verhandlungen über ihre Zukunft eingebunden sein muss.

