Spanien möchte eine Ausnahme für Olivenöl im einzuführenden europäischen Lebensmitteletikett Nutri-Score erreichen. Die spanische Regierung hat der EU mitgeteilt, dass sie die freiwillige Einführung von Lebensmitteletiketten unterstützt, Olivenöl jedoch davon ausnehmen möchte.
Wie in vielen anderen mediterranen Ländern gibt es auch in Spanien erheblichen Widerstand gegen den in Frankreich entwickelten Lebensmittelindex, weil Olivenöl und einige süd-europäische Käsesorten und Fleischwaren in dieser Bewertung schlecht abschneiden. Man befürchtet, dass ihre Produkte dadurch das Etikett „ungesund“ erhalten könnten.
Die größte Kontroverse dreht sich um Nutri-Score, von dem Kritiker sagen, dass es traditionelle europäische Lebensmittelprodukte wie Olivenöl diskriminiert, die mit der Verringerung von Fettleibigkeit in Verbindung gebracht werden.
Nutri-Score verwendet einen Farbalgorithmus (von grün bis rot) und einen Buchstaben von A bis E für jedes Lebensmittelprodukt. Damit soll die Öffentlichkeit dazu angeregt werden, gesünderes Essen zu kaufen. Eine Koalition von EU-Ländern, darunter Deutschland, die Niederlande, Luxemburg, Belgien und Frankreich, hat die anderen EU-Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, das System zu übernehmen.
Um den Widerstand der Landwirte zu vermeiden, hat die spanische Regierung eine Ausnahme für Olivenöl gefordert, nicht jedoch für andere Lebensmittel und Produkte. Im Fall von Olivenöl gäbe es wissenschaftliche Gründe für eine Ausnahme, aber nicht für andere Produkte wie iberisches Fleisch oder Käse.
Die spanische Regierung hat die EU gebeten, dass nach der freiwilligen Akzeptanz durch Spanien kein anderes EU-Land spanische Olivenölproduzenten dazu zwingen kann, das Lebensmitteletikett auf die Verpackung ihrer Produkte aufzubringen.
Laut EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski sind sich alle Länder einig, dass jedes Etikettierungssystem wissenschaftlich fundiert sein muss. Die europäische Bauernlobby COPA-COGECA hat sich den italienischen Protesten gegen das französische Nutri-Score-System angeschlossen. Europäische Verbraucherorganisationen hingegen befürworten das französische Label.

