Mit kaum noch zehn Tagen bis zur Wahl scheint die Spannung im britischen Wahlkampf langsam zurückzukehren. Bis vor Kurzem hatten die Konservativen einen deutlichen Vorsprung vor Labour, doch dieser schmilzt. Außerdem sind in den Umfragen die Reaktionen der Wähler auf den Terroranschlag auf der London Bridge noch nicht berücksichtigt.
Premierminister Boris Johnson fordert nun, Terrorverdächtige nicht mehr vorzeitig auf Bewährung zu entlassen, wie es beim Täter des Brückenanschlags der Fall war. Kritiker dagegen werfen Johnson und den Konservativen vor, in den vergangenen Jahren nichts unternommen zu haben.
Johnson steuert laut einer Umfrage auf eine deutliche Mehrheit im Unterhaus bei der Wahl am 12. Dezember zu. Das geht aus einer prominenten Umfrage und Prognose von Times/YouGov hervor. Gleichzeitig zeigt der Durchschnitt aller Umfragen der letzten Tage, dass der Abstand zwischen Johnson und Labour-Chef Jeremy Corbyn immer kleiner wird. In vielen Umfragen ist die Lücke bereits auf sieben Prozentpunkte geschrumpft.
Johnson will im Falle eines Wahlsiegs seinen Brexit-Deal noch vor Weihnachten durch das Parlament bringen. Das steht im Wahlprogramm der Konservativen, das letzte Woche veröffentlicht wurde. Der derzeitige Premierminister möchte, dass das Vereinigte Königreich Ende Januar die Europäische Union verlässt.
Kommentatoren weisen darauf hin, dass dies eine stark irreführende Darstellung der Sachlage ist. Wenn Johnson seine Einigung mit der EU nach einem Wahlsieg durchs Parlament bringen kann, ist nur der Weg des Austritts aus der EU festgelegt. Danach beginnt ein mindestens ebenso schwieriges Kapitel: Wie wird die neue Handelsbeziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU aussehen?
Erreicht er diese Mehrheit nicht, entsteht eine äußerst komplizierte Situation. Entweder schafft es Labour mit Unterstützung anderer Oppositionsparteien, eine Mehrheit zu bilden. In diesem Fall würde es Mitte nächsten Jahres ein neues Referendum über den Brexit geben.
Währungsanalysten der ABN Amro sehen den Wechselkurs des britischen Pfunds etwas steigen, da die letzten Meinungsumfragen auf eine Mehrheit für die Konservativen hinweisen. Anleger mögen Klarheit, eine starke Regierung kann Schritte bei der Abwicklung des Brexits unternehmen. Das Pfund zeigt sich in den letzten Tagen positiv. Es stieg gegenüber dem US-Dollar und dem Euro. ABN Amro bewertet ein solches Ergebnis ebenfalls als positiv für das Pfund.

