Aus neuen Zahlen des britischen Statistikamtes und des britischen Zoll-/Steuerdienstes geht hervor, dass im Januar vor allem der britische Fleischexport in die EU zurückgegangen ist. Durch den britischen Austritt aus der EU führen die neuen Zollvorschriften zu Marktverzerrungen.
Die Behörden warnen jedoch vor voreiligen Schlüssen, da die Fleisch- und Lebensmittelindustrie Ende letzten Jahres große Vorräte angelegt hat, weil bereits mit Transportverzögerungen und Zollproblemen gerechnet wurde.
Nach Angaben der Food & Drink Federation zeigt der erhebliche Rückgang bei den Exporten von Fleisch, Fisch und Milchprodukten dennoch deutlich, dass die neuen Handelsbarrieren eine spürbare Wirkung haben.
Vor allem ist ein großer Rückgang beim Export von Fleisch, Fisch und Milchprodukten vom Vereinigten Königreich in die EU zu verzeichnen. So sank der Export von Rindfleisch um 91,5 %, Schweinefleisch um 86,9 %, Lachs um 98,0 % und Käse um 85,1 %. Auch der Export von Muscheln und Schalentieren ist stark zurückgegangen (76 %), unter anderem bedingt durch ein komplettes Importverbot für zweischalige Weichtiere, die nicht aus Gewässern höchster Qualität stammen.
Der Import von Rindfleisch aus der EU ins Vereinigte Königreich ging im Vergleich zum Januar 2020 um 37,2 % zurück, Schweinefleisch um 49,9 %, Hähnchenfleisch um 42,7 % und Käse um 30,5 %. Laut der Food & Drink Federation hängt der Rückgang der Lebensmittelimporte aus der EU zum großen Teil mit der Schließung des britischen Gastronomie- und Lebensmittelservice-Sektors infolge der Coronavirus-Krise zusammen.
Britischen Handelsstatistiken zufolge ging im Januar besonders die Einfuhr von Rindfleisch aus Irland ins Vereinigte Königreich zurück. Die Brexit-bedingten Schwierigkeiten verursachen den Rückgang von 38 %, verglichen mit einem Rückgang von nur 16 % im Vorjahr.
Der Austritt Großbritanniens aus der EU hat den britischen Rindfleischmarkt massiv gestört und unweigerlich auch die wichtigste Importquelle, nämlich Irland. Fast die Hälfte der gesamten irischen Rindfleischproduktion geht ins Vereinigte Königreich.
Für den Handel mit Lebensmitteln zwischen dem Vereinigten Königreich und Niederlande liegt der Exportrückgang (VK nach NL) bei 64,8 % und der Rückgang der Importe (NL nach VK) bei 34,9 %. Der große Unterschied dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Briten die neuen Zollanforderungen in ihren Häfen schrittweise einführen, während für ausgeführte Waren vom VK in die EU ab dem 1. Januar alle Anforderungen sofort erfüllt sein mussten.

