Das EuropĂ€ische Parlament entsendet eine eigene Untersuchungskommission nach Malta, um den Zustand des Rechtsstaats in dem EU-Land zu ĂŒberprĂŒfen. Dies wurde auf Vorschlag der EuropĂ€ischen GrĂŒnen beschlossen, aufgrund der jĂŒngsten Entwicklungen in den Ermittlungen zum Mord an der maltesischen investigativen Journalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017. Das Europaparlament wird den Fall im Dezember diskutieren.
Das Parlament hatte kurz nach dem Mord bereits eine Mission nach Malta geschickt, bei der ebenfalls Besorgnis ĂŒber Korruption und die UnabhĂ€ngigkeit der Ermittlungen geĂ€uĂert wurde. Das EuropĂ€ische Parlament erklĂ€rte im vergangenen Jahr, nicht ruhen zu wollen, bis die Verantwortlichen vor Gericht gestellt sind. Die neue Mission soll sich unter anderem auf mögliche Verbindungen von Premierminister Muscat zu dem Mord konzentrieren. Die GrĂŒnen etwa sind der Meinung, dass er Beteiligte gedeckt haben soll.
Auch der niederlĂ€ndische Abgeordnete Pieter Omtzigt hat sich der Sache angenommen. Als Berichterstatter des Europarats hat er Anfang dieses Jahres in einer eigenen Untersuchung gravierende MĂ€ngel im Rechtsstaat Malta festgestellt und harte Kritik an Muscat geĂŒbt. Omtzigt sieht erhebliche Defizite im maltesischen Rechtsstaat. Es bestehe eine enorme Verflechtung von Interessen in der maltesischen Politik. Premierminister Joseph Muscat ernennt Richter, den Polizeichef und Minister. Zudem sei die Kontrolle der Regierung durch das Parlament unzureichend.
Die MissstĂ€nde in Malta stellen auch eine Bedrohung fĂŒr den Rest der EuropĂ€ischen Union dar. Malta steht im Ausland seit Jahren in der Kritik. So ist der Zwergstaat als das Panama der EuropĂ€ischen Union bekannt. Multinationale Unternehmen können dort dank der sehr niedrigen SteuersĂ€tze Milliarden Euro an Steuern umgehen. Auch maltesische Politiker selbst wurden mit Steuervermeidung in Verbindung gebracht. So tauchten in den skandaltrĂ€chtigen Panama Papers die Namen von zwei maltesischen Ministern auf. Sie sollen ĂŒber Gesellschaften in Panama Gelder aus einem dubiosen EnergiegeschĂ€ft verschoben haben.
AuĂerdem versagt Malta laut der europĂ€ischen Bankenaufsicht EBA bei der Finanzaufsicht gegen GeldwĂ€sche und Terrorismusfinanzierung. Das Land handelt damit entgegen der europĂ€ischen GeldwĂ€scherichtlinie, schrieb die Aufsichtsbehörde im vergangenen Jahr in einem vernichtenden Bericht.
Die Insel verdient seit 2014 jĂ€hrlich mehrere hundert Millionen Euro durch den Verkauf maltesischer (und damit EU-)PĂ€sse. FĂŒr rund 900.000 Euro erhĂ€lt der KĂ€ufer einen maltesischen Pass und wird damit auch BĂŒrger der EuropĂ€ischen Union. KĂ€ufer können ohne Visum oder strenge Kontrollen in EU-LĂ€nder reisen, Bankkonten eröffnen und Unternehmen grĂŒnden. UnabhĂ€ngige Forscher bezeichneten dies bereits als "eine Bedrohung fĂŒr das gelbe EU".
Premierminister Muscat hat die maltesische Regierung zu einer Sondersitzung einberufen. Drei Minister sind inzwischen zurĂŒckgetreten, und der Stabschef von Premier Joseph Muscat, Keith Schembri, wurde zunĂ€chst ebenfalls festgenommen. Ein GeschĂ€ftsmann, der fĂŒr den Mord bezahlt haben soll, weist auf Schembri als das Gehirn hinter der Liquidierung hin. Der Stabschef wurde inzwischen wieder freigelassen. Der GeschĂ€ftsmann hat Amnestie beantragt im Austausch fĂŒr seine Mitarbeit bei den Ermittlungen.

