Der Hauptverdächtige in der Untersuchung des Mordes an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana hat Immunität im Austausch für seine Mitarbeit an der Untersuchung gefordert. Der Verdächtige, Geschäftsmann Yorgen Fenech, wurde am Mittwoch festgenommen, als er versuchte, mit seiner Yacht Malta zu verlassen.
Fenech wurde am vergangenen Samstag ins Krankenhaus gebracht, nachdem er über Brustschmerzen geklagt hatte. Er wurde unter Auflagen freigelassen und muss zur Beobachtung bleiben, bevor die Polizei ihn erneut verhören kann. Fenech steht im Krankenhaus unter Polizeibewachung.
Offiziell gilt Fenech als Zeuge, doch einige Medien und die Familie der Journalistin vermuten, dass er ein möglicher Auftraggeber des Mordes ist. Sein Antrag auf gerichtliche Immunität bringt den maltesischen Premierminister Joseph Muscat in große politische Schwierigkeiten.
Der Premierminister stimmte letzte Woche einer Strafminderung für einen anderen Zeugen zu, woraufhin Geschäftsmann Fenech festgenommen werden konnte. In den vergangenen Tagen wurden auch mehrere Politiker verhört. Vermutlich hat dieser Zeuge den Geschäftsmann als Mittäter benannt, woraufhin er festgenommen wurde.
Stabschef Schembri im Kabinett von Premierminister Muscat hat nun seinen Rücktritt eingereicht, ebenso wie der Tourismusminister Konrad Mizzi. Wirtschaftsminister Christian Cardona setzte sich selbst beurlaubt, nachdem er von der Polizei verhört worden war. Eine frühere Untersuchung des Mordes an der Journalistin wurde bisher nicht veröffentlicht. Unter Druck der Europäischen Union wurde inzwischen beschlossen, eine umfassendere und gründlichere Untersuchung einzuleiten.
Im Oktober 2017 wurde die maltesische Journalistin Caruana durch eine Bombe unter ihrem Auto getötet. Sie hatte unter anderem die undurchsichtigen Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft untersucht – sie warf Premierminister Muscat vor, Malta in eine „Mafia-Insel“ verwandelt zu haben.
Der Fall in Malta weist große Parallelen zum früheren Mord in Slowakei an dem investigativen Journalisten Jan Kuciak auf. Auch er hatte die Verbindungen zwischen Mafia und slowakischen Politikern und Geschäftsleuten untersucht und wurde ermordet, um ihn zum Schweigen zu bringen. Auch dort machten die sogenannten Panama Papers die engen Verbindungen zwischen Kriminellen, Geschäftsleuten und Politikern öffentlich.

