Der tschechische Amtsvorsitzende des Europäischen Landwirtschaftsrats ist der Ansicht, dass die „Ernährungssicherheit“ in den kommenden sechs Monaten Priorität der EU bleiben muss. Mehrere Landwirtschaftsminister drängten jedoch bei einer zweitägigen informellen Beratung in Prag auf eine Ausweitung der EU-Agrarpläne.
Aus einer Aufzählung auf der abschließenden Pressekonferenz wurde deutlich, dass verschiedene EU-Länder ihre Agrar-Wunschliste aktualisieren. Dabei steht bei den meisten Ministern „Ernährungssicherheit“ zwar weiterhin an erster Stelle, gleichzeitig werden aber immer häufiger auch „Energie“, „Heizkosten“, „Düngemittel“ und „Bauern-Einkommen“ genannt.
So sind die spanischen und französischen Landwirtschaftsminister Luis Planas und Marc Fesneau der Meinung, dass die EU im Bereich der Düngemittelproduktion „autonom werden“ müsse. Der tschechische Minister Zdenek Nekula erkannte im Anschluss an die Beratung an, dass es bei der zweitägigen Sitzung vor allem um „Energie und Düngemittel“ ging. Er sagte, dass dieses Thema beim offiziellen Landwirtschaftsrat in etwas mehr als einer Woche in Brüssel auf der Tagesordnung stehen werde.
Minister Planas sagte kürzlich, dass garantiert verfügbare Düngemittel für die Landwirtschaft eine absolute Notwendigkeit seien. Damit wendet er sich nicht nur gegen drohende Folgen des russischen Gasboykotts, sondern auch gegen Vorschläge der Europäischen Kommission für „weniger Chemie und mehr Bio“.
Da die Gaspreise zuletzt enorm gestiegen sind, haben zahlreiche Chemiekonzerne ihre Produktion nahezu eingestellt. Durch neue russische Drohungen gerät eine Normalisierung der europäischen Gasbeschaffung – und damit auch des Düngemittelmarktes – weiter außer Reichweite.
Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski wies darauf hin, dass die EU derzeit die Abschöpfung der Megagewinne von Energieunternehmen diskutiert, wodurch den Mitgliedstaaten ermöglicht werden soll, Gelder für staatliche Beihilfen für den (kollektiven?) Einkauf von Düngemitteln freizumachen. Anfang der Woche sagte Klimakommissar Frans Timmermans, dass Niederlande damit auch dem Glashausgartenbau entgegenkommen könne.
Der spanische Minister Planas bekräftigte sein früheres Plädoyer, dass die EU den Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft erst dann reduzieren könne, wenn Alternativen zur Verfügung stünden. Der zuvor von den Niederlanden eingebrachte Vorschlag zur Verarbeitung von natürlichen Düngemitteln zu trockenem, streufähigem Düngerpulver blieb unerwähnt.
Zu Alternativen konnte Wojciechowski noch keine Klarheit geben. Auf einer Pressekonferenz wiederholte Wojciechowski sein früheres Versprechen, „daran werde gearbeitet“.

