Der Hohe Vertreter der Europäischen Außenpolitik, Josep Borrell, wird in Teheran mit iranischen Führungspersönlichkeiten die Lage im Nahen Osten erörtern. Der EU-Außenminister möchte versuchen, die zunehmenden Spannungen zu "deeskalieren".
Borrell wird unter anderem Präsident Hassan Rohani und seinen iranischen Amtskollegen Javad Zarif treffen. Insbesondere will Borrell das Atomabkommen von 2015 retten, das verhindern soll, dass Iran eine Atomwaffe entwickelt. Iran droht mit der Aussetzung der Zusammenarbeit mit der EU, falls Brüssel keinen "fairen Deal" mit Teheran abschließt.
Iran hatte damals das Nuklearabkommen geschlossen, das die Aufhebung internationaler Sanktionen gegen Iran vorsah, im Gegenzug für die Zusage, keine eigenen Atomwaffen zu entwickeln. Das Abkommen bröckelt seitdem, da sich der US-Präsident Donald Trump 2018 einseitig aus diesem Vertrag zurückgezogen hat.
Washington hat dem Land daraufhin wieder Wirtschaftssanktionen auferlegt und fordert zudem, dass sich die EU-Länder ebenfalls anschließen. Die Europäische Union tut dies bislang nicht. Seitdem steigen die Spannungen zwischen den USA und Iran wieder an. Anfang dieses Jahres erreichten sie einen Höhepunkt, als die Amerikaner den iranischen General Qassem Soleimani bei einem Drohnenangriff im Irak töteten.
Die iranische Regierung gab daraufhin bekannt, dass sie sich nicht länger an die Beschränkungen des Atomabkommens gebunden fühlt, sehr zum Missfallen der EU-Staaten. Frankreich, Deutschland und Großbritannien setzten daraufhin ein Beschwerdeverfahren gegen Iran in Gang, das dazu führen kann, dass neue Sanktionen durch die EU verhängt werden.
Der Europäische Auswärtige Dienst betonte am Sonntag, dass EU-Kommissar Borrell "ein starkes Mandat der europäischen Außenminister" erhalten hat, um in einen Dialog mit Iran einzutreten.

