Damit weichen die Umweltminister erheblich vom Vorschlag der Europäischen Kommission ab sowie vom Europäischen Parlament, das genau das Gegenteil fordert.
So wollen die Minister, dass die Verpflichtung zum Bau einer Kläranlage für kleine Dörfer und Regionen mit weniger als 1250 Einwohnern nicht gilt. Umweltkommissar Virginius Sinkevičius hingegen möchte, dass mehr Gebiete zur Reinigung verpflichtet werden.
Dagegen sind die Minister der Ansicht, dass nicht nur das Natur- und Umweltinteresse an sauberem Wasser zu berücksichtigen ist, sondern auch die öffentliche Gesundheit. Deshalb wird nun auch die Verpflichtung aufgenommen, dass die EU-Länder das Abwasser auf das Vorhandensein von Krankheitserregern, ansteckenden Bakterien und gefährlichen chemischen Stoffen kontrollieren müssen. Dadurch sollen auch andere Kommissare Mitspracherecht erhalten.
Außerdem möchten die Minister, dass die jüngst beigetretenen EU-Länder eine Aufschiebung von acht bis zwölf Jahren erhalten können, da sie in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Investitionen zur Umsetzung der EU-Richtlinie tätigen mussten.
Innerhalb von zwanzig Jahren müssen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass eine sogenannte tertiäre Reinigung (Entfernung von Stickstoff und Phosphor) bei großen Anlagen für 150.000 Einwohner angewendet wird. Es wird eine Ausnahme vorgesehen, wenn gereinigtes Abwasser für die landwirtschaftliche Bewässerung wiederverwendet wird, vorausgesetzt, dass keine Risiken für Umwelt oder Gesundheit bestehen.
„Wasser ist eine kostbare Ressource, die immer knapper wird. Kommunales Abwasser kann mit verfügbaren Technologien erfolgreich behandelt werden“, so Umweltkommissar Sinkevičius. Das eröffne seiner Meinung nach viele Möglichkeiten für Landwirte, die zurückgewonnenes Wasser sicher für die Bewässerung nutzen können.
Die EU gibt an, dass jährlich mehr als 40.000 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt werden, doch nur 2,4 % davon eine Nachbehandlung erhalten, die eine Nutzung in der Landwirtschaft ermöglicht. Dies ist einer der Gründe, warum Brüssel die Kriterien verschärfen will.

