Die Landwirtschaftsminister der meisten EU-Länder äußern erhebliche Bedenken gegen die im vergangenen Monat vorgestellte neue Kunstdüngerverordnung der Europäischen Kommission. Dass Brüssel vorschreiben möchte, um wieviel Prozent der Kunstdüngerverbrauch reduziert werden soll, stößt bei den meisten Landwirtschaftsministern auf Ablehnung. Sie unterstützen den Plan höchstens „im Großen und Ganzen“, haben aber in vielen Punkten Einwände und Vorbehalte.
Nur eine Handvoll Länder, darunter Niederlande, stimmen vorab zu, dass die europäische Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft und Tierhaltung nachhaltiger und biologischer werden muss.
Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides machte im monatlichen EU-Agrarrat deutlich, dass die Kommission an Green Deal und „Vom-Hof-auf-den-Tisch“-Strategie festhält und „Nichtstun keine Option ist“. Sie sagte jedoch, dass für jedes Land ein individueller, flexibler Ansatz möglich sein werde und Brüssel die angewandte Berechnungsmethode für die „Prozentsätze je Land“ veröffentlichen werde.
Kommissarin Kyriakides machte außerdem klar, dass es „kein Verbot“ geben werde und dass chemische Mittel „als allerletzte Option“ möglich bleiben, wenn wirklich keine Alternative besteht.
Viele Minister erklärten, dass ihr Land in den vergangenen Jahren bereits viel Kunstdünger eingespart habe und dass dies irgendwie honoriert werden sollte. Die Tatsache, dass jedes Land mindestens 35 % reduzieren muss, stößt bei diesen Ländern auf Unmut. Auch regt sich Protest dagegen, dass Kunstdünger in „verletzlichen Gebieten“ wie Wäldern und Natura-2000-Gebieten künftig komplett verboten sein soll.
Für einige Länder (wie Schweden oder Finnland mit viel Wald, oder Slowenien und Griechenland mit vielen Naturgebieten) würde dies eine erhebliche Reduzierung der landwirtschaftlichen Mitnutzung bedeuten. Diese Länder plädieren für eine andere Klassifizierung von schädlichen und verbotenem Mitteln gegenüber solchen, die nur „ein wenig schädlich“ sind.
Kyriakides wies die meckernden Minister darauf hin, dass das neue Kunstdüngergesetz nicht sofort, sondern erst nach einer Übergangszeit in Kraft treten werde. Außerdem bestritt sie, dass es für die meisten chemischen Pestizide noch keine brauchbaren Ersatzstoffe gebe.
Sie verwies darauf, dass die Europäische Kommission in den vergangenen Jahren über zwanzig neue Pflanzenschutzmittel zugelassen habe. Außerdem könnten die EU-Länder Landwirte über die Öko-Regelungen der neuen Agrarpolitik fördern, wenn sie von chemischen auf naturfreundlichere Pflanzenschutzmittel umsteigen.

