Gemeinsam mit mehreren anderen EU-Ländern setzte sich Adema am Montag im Agrarrat in Luxemburg erneut (bislang erfolglos) für den SUR-Pestizidvorschlag der Europäischen Kommission ein, doch weiterhin leisten zahlreiche osteuropäische Länder Widerstand.
Um diese Blockade zu durchbrechen, haben die Kommissare Frans Timmermans (Klima), Virginius Sinkevicius (Umwelt) und Stella Kyriakides (Lebensmittelsicherheit) auf Wunsch der zögerlichen Landwirtschaftsminister im vergangenen halben Jahr eine ergänzende Untersuchung zu den möglichen Auswirkungen einer geplanten Halbierung der Chemikalien in der Landwirtschaft durchgeführt. Daraus geht unter anderem hervor, dass es tatsächlich nur für einige wenige kleine Kulturen Auswirkungen hat (und kaum für Getreide oder Mais).
Es wird außerdem nun klar anerkannt, dass der Einsatz von Chemikalien im äußersten Notfall weiter erlaubt bleibt, sofern sich die Landwirte an die achtstufige Vorgehensweise des bereits länger bestehenden (aber nicht immer eingehaltenen) integrierten Pflanzenschutzmanagements (IPM) halten.
Außerdem hat der scheidende Vorsitzende Schweden zwei Kompromisse eingebracht, wonach die starke Reduktion nur für gesundheitsgefährdende „gefährliche“ Mittel gilt, dass sie sich auf eine kleinere Anbaufläche beschränkt (75 statt 90 %) und dass ein Nutzungsverbot nur für öffentliche Räume (Parks, Grünanlagen, Sportplätze etc.) eingeführt wird. Wahrscheinlich wird eine Berechnungsformel pro Kilo pro Hektar verwendet, das ist aber noch nicht sicher.
Die ergänzende Studie soll nächste Woche (5. Juli) präsentiert werden. Da die Landwirtschaftsminister ihr jedoch noch nicht formell zugestimmt haben, ist unklar, wie und wann dieser „immer noch herumirrende Vorschlag“ abgestimmt werden soll.
Nächste Woche soll außerdem ein Vorschlag präsentiert werden, um den begrenzten Einsatz von Gentechnologie (CRISPR-Cas) zu ermöglichen. Die Landwirtschaftsorganisationen sind dafür, doch Kommissar Timmermans sagte letzten Monat, dass, wenn die Minister oder das Parlament das Naturschutzgesetz oder die Pestizidreduzierung ablehnen und blockieren, diese neue Gentechnik ebenfalls nicht notwendig sein werde. Adema meint, dass sie „gebrauchsfertig ist und wir morgen damit beginnen könnten“.
Der Minister äußerte sich nach der Beratung optimistisch, da einige zögernde Kollegen offenbar Anzeichen von Bewegung zeigen. Sie haben den neuen (vorübergehenden) EU-Vorsitzenden, den spanischen Landwirtschaftsminister Luis Planas, aufgefordert, den SUR-Pestizidvorschlag so schnell wie möglich voranzutreiben.
Adema erklärte weiter, dass niederländische Gärtner, Züchter und Landwirte nicht nur durch die drohende Reduzierung zum Umstieg auf „grüne“ Pflanzenschutzmittel gezwungen werden sollten, sondern auch durch Subventionen, Schulungen und praktische Unterstützung gefördert werden müssten. Er wies darauf hin, dass insbesondere die Gewächshäuser im Westland und der Blumenzwiebelanbau auf den Sandböden mit strengeren Regeln rechnen müssen. „Wir sehen es an der Wasserqualität, wirklich nicht nur im Westland. Es gelangt einfach viel zu viel von diesem Zeug in unsere Natur“.
Außerdem sagte er, dass in den Niederlanden beim Ctgb seit Kurzem die Zulassung von naturfreundlichen Mitteln prioritär behandelt wird. „Früher gab es viel mehr Anträge für chemische Mittel als für natürliche Varianten. Alle Anträge wurden nach Eingang abgearbeitet. Wenn mal ein naturfreundliches Mittel dabei war, musste es warten. Jetzt bearbeiten wir sie abwechselnd“, erläuterte Adema.

