In den meisten Ländern der Europäischen Union steigt der Mindestlohn in diesem Jahr an. In Polen ist der Mindestlohn mit 17 Prozent am stärksten gestiegen, doch die Unterschiede sind sehr groß. Dies berichtet Eurofound, eine von der EU gegründete Organisation zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, in einem neuen Bericht.
Ein garantierter Mindestlohn für alle Erwerbstätigen ist laut der Europäischen Kommission dringender denn je notwendig. Sie hat hierzu eine Konsultationsrunde mit 23 Dachverbänden von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen durchgeführt und wird nun mit sozialen Partnern aus verschiedenen Mitgliedstaaten Gespräche führen. Ein anständiges Einkommen für alle Erwerbstätigen in der EU wird als „unverzichtbar für die Erholung nach der Krise“ bezeichnet und ist notwendig für den Wiederaufbau einer fairen und widerstandsfähigen Wirtschaft, so die tägliche EU-Führung.
Mehr als 20 EU-Länder kennen einen Mindestlohn, dieser liegt jedoch manchmal unter dem Existenzminimum. Sechs Mitgliedstaaten verfügen über keine gesetzliche Regelung. In Luxemburg, Irland und den Niederlanden ist der Mindestlohn am höchsten. Das Großherzogtum führt erneut mit 2.142 Euro (+2 Prozent). In Bulgarien ist der Mindestlohn in der EU mit 312 Euro pro Monat am niedrigsten.
Nach Belgien an vierter Stelle folgen Deutschland und Frankreich in der Rangliste. Eurofound schätzt, dass 9 Prozent der Beschäftigten durch Mindestlohnregelungen geschützt sind und unter einen Tarifvertrag fallen.
Die niederländische Europaabgeordnete Agnes Jongerius (PvdA) bezeichnet einen europäischen Rahmen für einen verpflichtenden oder kollektiven Mindestlohn als dringend notwendig. Die Krise habe deutlich gemacht, wie sehr die Gesellschaft von Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen wie Pflegekräften, Müllmännern und Reinigungskräften abhängt, erklärt sie. „In den letzten Wochen hat es keinen Mangel an wertschätzenden Gesten und Danksagungen gegeben. Nun ist es an der Zeit, Applaus in angemessene Löhne umzusetzen.“
Anfang dieses Jahres hatte EU-Kommissar Nicolas Schmit (Beschäftigung und Soziale Rechte) bereits angekündigt, in diesem Jahr Gesetzesvorschläge für einen garantierten Mindestlohn in der EU vorzulegen. Die Europäische Kommission betont, dass sie keinen europaweit einheitlichen Mindestlohn anstrebt und auch kein harmonisiertes System für alle Länder.
Nach Angaben der europäischen Dachgewerkschaft ETUC berichten 40 Prozent der Erwerbstätigen in der EU, seit Ausbruch der Lungenerkrankung Einkommensverluste erlitten zu haben. Die Organisation plädiert für einen Mindestlohn von mindestens 60 Prozent des durchschnittlichen Lohns in einem Mitgliedstaat.

