Ein Vorschlag, das EU-Projekt zu torpedieren, erreichte mit 44 zu 44 Stimmen keine Mehrheit und wurde damit abgelehnt. Damit scheiterte auch der Versuch der CDA-Fraktionsführerin Esther de Lange, mit Unterstützung von Liberalen und Konservativen der SGP, VVD, FvD und JA21 („von rechts“) den Vorschlag zu blockieren.
Da der envi-Umweltausschuss am Schlussgutachten jedoch mehrere Dutzend Änderungsanträge eingereicht hatte, mussten die 88 Ausschussmitglieder dutzende Male namentlich elektronisch abstimmen, wobei viele Male ebenfalls eine 44-zu-44-Gegenüberstellung festgestellt wurde.
Und da die Abstimmungsserie zur Tagesmitte aus Zeitmangel abgebrochen werden musste, wird der Rest in zwei Wochen während einer regulären Ausschusssitzung am 27. Juni behandelt. Daher ist derzeit noch nicht klar, wie die endgültige Position des Umweltausschusses zum Naturwiederherstellungsgesetz lauten wird.
Das 44-zu-44-Ergebnis machte auch deutlich, dass die beiden großen politischen Fraktionen (EVP/CDA und S&D/PvdA) gegensätzlich zueinanderstehen, dass die Grünen, Linke und S&D dafür sind und dass Renew/Liberale eine Zwischenposition einnehmen. Der niederländische VVD-Abgeordnete Jan Huitema äußerte die Erwartung, dass im kommenden Monat bei der Plenarsitzung noch neue Kompromisse auf den Tisch kommen könnten.
Der Grünen-Europaabgeordnete Bas Eickhout nannte es ein wichtiges Signal, dass das Gesetz nicht abgelehnt wurde. „Aber wir stecken noch mitten im Sturm und es ist noch unklar, wohin die Reise geht. Es steht jedenfalls außer Frage, dass wir noch Arbeit vor uns haben, um mit einer Mehrheit im Parlament zu einem guten Vorschlag zu kommen.“
Der PvdA-Europaabgeordnete Mohamed Chahim äußerte sich anschließend in ähnlichen Worten. Er sieht noch Möglichkeiten, mit EVP/CDA und Renew/VVD einen Kompromiss zu finden, der im Juli eine breite Mehrheit erhalten kann.
Er kritisierte erneut die Art und Weise, wie die EVP in den vergangenen Wochen eine Art Abstimmungsdruck ausgeübt und eigene EVP-Politiker unter Druck gesetzt habe. Er sagte, er habe mit einigen EVP- und ECR-Mitgliedern gesprochen, die sagen, dass sie später für das endgültige Naturwiederherstellungsgesetz stimmen würden.
In einer ersten Reaktion sagte die CDA-Europaabgeordnete Esther de Lange: „Jeder Änderungsantrag war stets fifty-fifty. Der Landwirtschafts- und Fischereiausschuss hat diesen Vorschlag bereits zuvor abgelehnt. Das Signal ist klar: Dieser Vorschlag ist und bleibt umstritten, und die Europäische Kommission sollte lieber zurück an den Zeichenbrett gehen.“ Sie ging nicht auf das Angebot von Chahim ein, in den kommenden zwei Wochen noch einmal die Köpfe zusammenzustecken.
Ebenso wie der envi-Parlamentarierausschuss haben auch die 27 EU-Länder noch keine endgültige Position zu dem Vorschlag. Allerdings wurden vom schwedischen Vorsitz einige Zugeständnisse und Abschwächungen formuliert, die kommende Woche (20. Juni) von den Umweltministern besprochen werden. Zudem hat die Europäische Kommission die vor allem von Niederlande kritisierte „Ergebnispflicht“ auf eine „Aufwandspflicht“ abgeschwächt.

