Jian Guo arbeitete bis letztes Jahr mehrere Jahre im Büro von Krah in Brüssel, in der Zeit, als Krah (2019–2024) im Europäischen Parlament saß. Inzwischen ist Krah Mitglied des deutschen Parlaments. Während des Prozesses erklärte Krah, er sei von den Spionageaktivitäten seines ehemaligen Mitarbeiters nicht informiert gewesen und bestritt jegliche Beteiligung.
Der Anklage zufolge arbeitete Guo, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, bereits seit 2002 für einen chinesischen Geheimdienst. In der Anklageschrift steht, dass er seine Position in Brüssel nutzte, um Informationen über europäische Angelegenheiten zu sammeln. Das Gericht in Dresden wertete die Spionage als bewiesen und verhängte eine Gefängnisstrafe.
Guo beharrte während des Prozesses darauf, unschuldig zu sein und bestritt, für einen chinesischen Geheimdienst gearbeitet zu haben. Auch in seinen letzten Aussagen blieb er bei dieser Ablehnung. Dennoch bewertete das Gericht die gesammelten Beweise und die weitergegebenen Informationen höher.
Im umfangreicheren Strafverfahren spielt auch eine zweite Verdächtige eine Rolle, identifiziert als Yaqi X. Sie arbeitete bei einem Logistikunternehmen, das Dienstleistungen am Flughafen Leipzig erbringt. Zu Beginn des Verfahrens gab sie an, Informationen über Flugpläne und Frachtbewegungen weitergegeben zu haben. Die Verbindung zwischen ihr und Guo wurde von der Justiz als Teil des Spionagenetzwerks angesehen.
Das Bild, das im Gerichtssaal gezeichnet wurde, ist, dass Guo nicht nur politische Prozesse verfolgte, sondern auch Kontakte pflegte, die ihm Zugang zu operativen Daten verschafften. Die Verbindung zu den Flughafeninformationen – über Fracht, Flüge und Logistik – war Teil der Art und Weise, wie Informationen gesammelt und weitergegeben wurden. Die Rolle Guos wurde vom Gericht als zentral angesehen.
Die Ankläger forderten eine Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren für Guo, unter Berufung auf die Dauer und die Schwere der Aktivitäten. Die Verteidigung beantragte Freispruch, unter anderem weil Guo jegliche Beteiligung an einem Geheimdienst bestritten hatte. Das Gericht kam schließlich zu einem niedrigeren, aber dennoch erheblichen Strafmaß, wobei der Kern der Anklage erhalten blieb und die Schuld juristisch als erwiesen angesehen wurde.
Parallel zu dem Spionagefall gegen Guo läuft eine Untersuchung gegen Maximilian Krah selbst. Er wird verdächtigt, Geldwäsche betrieben und Bestechungsgelder aus chinesischen Quellen während seiner Zeit als Europaabgeordneter angenommen zu haben. Anfang dieses Monats wurde seine parlamentarische Immunität aufgehoben und Büros in Berlin, Brüssel und Dresden durchsucht. Krah bestreitet die Vorwürfe und nennt sie politisch motiviert.

