Viele Unternehmen, insbesondere aus Landwirtschaft und Forstwirtschaft, haben weiterhin Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Rückverfolgbarkeitssystemen, die eindeutig nachweisen, dass ihre Produkte nicht aus gerodeten Urwaldgebieten stammen. Dies führt zu Bedenken hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit, vor allem im Agrarsektor, und wirft Fragen zu den Auswirkungen auf den internationalen Handel auf.
Özdemir äußerte seinen Appell während der monatlichen Sitzung der Landwirtschaftsminister der 27 EU-Mitgliedstaaten. Dabei wiederholte er seinen früheren Vergleich dieses Abholzungsgesetzes mit dem (zwischenzeitlich aufgehobenen) SUR-Pestizidgesetz, das ebenfalls ein bedeutender Bestandteil des Green Deals des niederländischen Ex-Kommissars Frans Timmermans war. Laut Özdemir (Grüne) sind diese Vorschläge nicht pragmatisch genug.
Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski hatte zuvor bereits gesagt, dass Brüssel am Einführungstermin festhalten will. Viele EU-Länder geben an, dass die noch nicht erprobten und hakenden Kontrollen deutlich machen, dass das neue Gesetz viel Aufwand verursachen wird. Im Europäischen Parlament versucht die christdemokratische EVP-Fraktion inzwischen ebenfalls, den Gesetzesvorschlag hinauszuzögern, um ihn grundlegend anpassen zu können. Andere Parteien sind im Parlament in Straßburg (noch?) nicht einverstanden.
Umweltorganisationen haben scharf auf den Aufruf Deutschlands und anderer EU-Staaten reagiert. Sie weisen darauf hin, dass weitere Verzögerungen verheerende Folgen für die Umwelt haben könnten, angesichts der Dringlichkeit, der weltweiten Abholzung entgegenzuwirken. Sie fordern die Europäische Kommission auf, sich nicht von wirtschaftlichem und politischem Druck beeinflussen zu lassen und dass die EU weiterhin eine führende Rolle im Kampf gegen Abholzung einnehmen müsse.
Obwohl die Europäische Kommission am maßgeblichen Einführungstermin festhält, wird hinter den Kulissen an möglichen Lösungen gearbeitet. Ursula von der Leyen hat erklärt, dass sie für pragmatische Vorschläge offen sei, aber das vorrangige Ziel – die Beendigung der Abholzung – nicht aus den Augen verloren werden dürfe. Die Angelegenheit liegt bei Kommissionspräsidentin Von der Leyen, da der derzeitige Landwirtschaftskommissar Wojciechowski zurücktritt, sein Nachfolger (der Luxemburger Christophe Hansen) jedoch noch nicht offiziell ernannt ist.
Die EU-Verordnung zur Abholzung (EUDR) soll verhindern, dass Produkte wie Holz, Soja, Palmöl, Kaffee und Gummi aus gerodeten Gebieten auf den europäischen Markt gelangen. Dies gilt nicht nur für Importe aus Nicht-EU-Staaten, sondern auch (aufgrund des Gleichbehandlungsprinzips) für Im- und Exporte zwischen den EU-Ländern selbst.

