Der Agrarausschuss des EuropĂ€ischen Parlaments hat positiv auf die leichte Erhöhung reagiert, die die EuropĂ€ische Kommission im Agrarhaushalt vorgenommen hat, besteht jedoch darauf, dass fĂŒr neue Aufgaben neues Geld bereitgestellt werden muss.
Ende Mai hatte die EuropÀische Kommission nach langem DrÀngen des Agrarausschusses eine leichte Anhebung im MehrjÀhrigen Finanzrahmen vorgenommen, doch diese wurde inzwischen von den Staats- und Regierungschefs abgelehnt. Diese Regierungschefs kommen Mitte Juli erneut zusammen, wobei Niederlande und drei weitere EU-LÀnder nach wie vor erheblichen Widerstand leisten.
Ihre EinwĂ€nde richten sich zwar hauptsĂ€chlich gegen den Corona-Wiederaufbaufonds, doch dadurch ist auch der EU-MehrjĂ€hrige Finanzrahmen noch nicht gesichert. Ein groĂes Hindernis dabei ist das viele Geld, das fĂŒr den Green Deal von VizeprĂ€sident Frans Timmermans benötigt wird, einschlieĂlich "Vom Hof auf den Tisch", fĂŒr die BiodiversitĂ€t, weniger Pflanzenschutzmittel und mehr biologische Landwirtschaft. Und die hunderten Millionen in einem immer gröĂer werdenden Reservefonds fĂŒr die lĂ€ndliche Entwicklung sind ebenfalls sehr verlockendâŠ.
MaĂnahmen des europĂ€ischen Green Deals dĂŒrfen nicht aus den aktuellen Mitteln der Agrarpolitik bezahlt werden, wurde am Montag in der Ausschusssitzung erneut betont. Der Agrarausschuss erkannte jedoch an, dass eine "modernisierte und nachhaltige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) einen entscheidenden Beitrag zu den ehrgeizigen Klimazielen der EU leisten wird. Ein erheblicher Teil der GAP muss die Klimaziele der EU unterstĂŒtzen, doch die Verwirklichung hĂ€ngt in hohem MaĂe von ausreichender Finanzierung ab", so der Agrarausschuss.
Gerade dieses zusĂ€tzliche Geld ist aus mehreren GrĂŒnden höchst unwahrscheinlich. Erstens hat die EuropĂ€ische Kommission die letzten Entwurfshaushalte bereits verbessert. AuĂerdem haben letztlich die StaatsoberhĂ€upter meist das letzte Wort. Und in den meisten Haushalten ist âalt gegen neuâ ein sehr gĂ€ngiges Prinzip: Neue Politik kann nur umgesetzt werden, wenn Geld âgefundenâ wird, indem âalteâ Politik gestrichen wird. Zudem ist von mehreren LĂ€ndern schon lĂ€nger bekannt, dass sie der Meinung sind, die EU gebe viel zu viel fĂŒr die (Aufrechterhaltung veralteter) Agrarpolitik aus.
AuĂerdem ist noch keineswegs sicher, ob die Meinung des Agrarausschusses von ihren Kolleginnen und Kollegen in den Haushalts-, Wirtschafts- und UmweltausschĂŒssen geteilt wird. Das wird sich erst im September bei den Abstimmungen ĂŒber die endgĂŒltigen Haushalte zeigen. Dann haben wahrscheinlich schon fast alle vergessen, dass es die Regierungschefs und Minister waren, die im Juli auf die finanziellen Bremse getreten sind.
In einer nicht bindenden EntschlieĂung, die mit 37 Stimmen dafĂŒr, 8 dagegen und 3 Enthaltungen angenommen wurde, besteht der Agrarausschuss darauf, dass âder grĂŒne Wandel, die erweiterten BiodiversitĂ€tsplĂ€ne und die F2F-Vision mit neuen Mitteln finanziert werden mĂŒssen und nicht zu Lasten der bestehenden GAP-Finanzierung gehen dĂŒrfen. Erhöhte ökologische Anforderungen mĂŒssen stets finanziell ausgeglichen werden, weil von den Landwirten nicht erwartet werden kann, mehr mit weniger Geld zu leistenâ, heiĂt es. Sie fĂŒgen hinzu, dass die Landwirtschaft in der EU die einzige ist, die ihre Treibhausgasemissionen bereits um zwanzig Prozent reduziert hat.

