Die Europäische Union hat neue Vorschriften zur Qualität des Wassers erlassen, das für die Bewässerung in Landwirtschaft und Gartenbau verwendet werden darf. Diese Qualitätskriterien für Sprühwasser müssen spätestens in drei Jahren in den EU-Ländern umgesetzt sein.
Dadurch darf künftig stark gereinigtes Abwasser aus einer Kläranlage verwendet werden, nicht mehr hingegen mit Schadstoffen belastetes Oberflächenwasser aus einem Graben oder Kanal in der Nähe eines Industriegebiets. Der VVD-Europaabgeordnete Jan Huitema spricht von einer Win-Win-Situation.
Durch die Nutzung von gereinigtem Abwasser kann der Druck auf Gewässer und Grundwasser verringert werden. Der Rückgang des Grundwasserspiegels ist eine der größten Bedrohungen für die Verfügbarkeit von Trinkwasser für die Bevölkerung. Nicht nur durch die Bewässerung der Landwirtschaft, sondern auch durch industrielle Nutzung und städtische Entwicklung sinkt der Grundwasserspiegel immer weiter, so das Europäische Parlament. Dies wird derzeit besonders in Mitteleuropa deutlich, das von ausgetrockneten Feldern, verdorrten Äckern und Missernten geplagt wird.
In Flandern gilt inzwischen ein Pumpverbot. Die zunehmende Trockenheit stellt laut dem niederländischen Europaabgeordneten Jan Huitema (VVD) eine Herausforderung dar, mit der Bauern in ganz Europa konfrontiert sind. „Wir dürfen nicht nur Grund- und Oberflächenwasser für die Bewässerung nutzen, sondern müssen auch neue Quellen erschließen. So kann das Abwasser künftig so aufbereitet werden, dass es für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen wiederverwendet werden kann: eine Win-Win-Situation für Mensch, Bauer und Umwelt“, sagte er zuvor gegenüber EU-Journalisten.
Bald müssen alle EU-Länder dieselben Kriterien anwenden, um überall Lebensmittelsicherheit und öffentlichen Gesundheitsschutz gewährleisten zu können. Diese Kriterien sind besonders wichtig für Niederlande. VVD-Europaabgeordneter Jan Huitema: „In den Niederlanden stellen wir bereits sehr hohe Anforderungen an das Wasser, das für die Bewässerung verwendet wird. Diese Qualitätsanforderungen müssen in ganz Europa einheitlich sein. Das ist sowohl für die Lebensmittelsicherheit und die öffentliche Gesundheit wichtig als auch für unsere Wettbewerbsfähigkeit in Europa: Gemüse und Obst aus anderen EU-Ländern liegen schließlich auch bei uns im Supermarkt.“
Obwohl sich die EU-Regeln vor allem auf die Landwirtschaft beziehen, kann die Wiederverwendung von Wasser auch für die Industrie eine Lösung sein. Die Europäische Kommission hat in der Vergangenheit bereits signalisiert, dass sie die Wasserwiederverwendung bei der Prüfung von Genehmigungsanträgen von Unternehmen einbeziehen möchte. In den Niederlanden haben einige Wasserverbände bereits die Initiative ergriffen, das Konzept der „Wasserfabrik“ auszuarbeiten.

