Aus der neuesten Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments geht hervor, dass 68 Prozent der EU-Bürger erwarten, dass die Union mehr Verantwortung übernimmt. In den Niederlanden liegt dieser Wert sogar noch höher bei 74 Prozent.
Neun von zehn Europäern sind zudem der Meinung, dass die EU-Länder gemeinsame Lösungen für globale Herausforderungen suchen sollten. Auch hinsichtlich der dafür benötigten Mittel herrscht breite Zustimmung: 77 Prozent der Bürger sind der Ansicht, dass die EU mehr Instrumente und ein größeres Budget erhalten muss, um angemessen reagieren zu können. In den Niederlanden teilen 73 Prozent diese Auffassung.
Den Befragten zufolge sollte sich die Union hauptsächlich auf Verteidigung und Sicherheit (37 Prozent) sowie auf Wirtschaft, Industrie und Wettbewerbsfähigkeit (32 Prozent) konzentrieren. In den Niederlanden liegt der Schwerpunkt noch stärker auf Sicherheit: Fast die Hälfte nennt dies als oberste Priorität.
Wenn Europäer gefragt werden, welche Themen im Europäischen Parlament Vorrang verdienen, stehen hohe Inflation, steigende Preise und Lebenshaltungskosten an erster Stelle (41 Prozent), gefolgt von Verteidigung und Sicherheit (34 Prozent) sowie der Bekämpfung von Armut (31 Prozent). In den Niederlanden setzen die Befragten andere Schwerpunkte: Für sie steht Sicherheit mit 56 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Klimamaßnahmen (37 Prozent) und Migration sowie Asyl (34 Prozent).
Ein großer Teil der Bevölkerung erwartet, dass die EU auch finanziell enger zusammenarbeitet. Fast acht von zehn Europäern plädieren für mehr gemeinsame Projekte, die auf EU-Ebene finanziert werden, um Investitionen gezielter und effizienter einzusetzen. In den Niederlanden ist die Unterstützung hierfür mit 79 Prozent noch etwas höher.
Abschließend zeigt die Eurobarometer-Umfrage, dass die Europäer nicht nur in Krisenzeiten mehr Einigkeit erwarten, sondern auch einen offenen Blick nach außen. Eine Mehrheit steht einer weiteren Erweiterung der Union positiv gegenüber, besonders unter jungen Menschen. Dies wird als ein Weg gesehen, Stabilität und Demokratie in Europa zu stärken. Die Umfrage wurde im Mai 2025 unter 26.410 Bürgern in allen 27 EU-Ländern durchgeführt.
Die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, betonte in einer Reaktion, dass die Union auf die klaren Erwartungen der Bürger eingehen müsse. Ihrer Ansicht nach fordern die Europäer Stabilität, Sicherheit und eine starke gemeinsame Stimme in einer unsicheren Welt. „Unser nächster mehrjähriger Finanzrahmen muss Europa befähigen, der neuen geopolitischen Realität zu begegnen“, so Metsola.
Nächste Woche, nach der Rückkehr aus der Sommerpause, beginnen in Brüssel und Straßburg die Beratungen und Verhandlungen über den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR), den Haushalt für 2026 und den mehrjährigen gemeinsamen Landwirtschaftshaushalt (GLH).

