Die Bekanntgabe erfolgt zu einem brisanten Zeitpunkt: einen Tag bevor Brüssel – nach jahrelangen Verhandlungen – das umstrittene Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern festgelegt hat. Europäische Landwirte hatten jahrelang gegen dieses Abkommen protestiert, da die Lebensmittelimporte aus diesen Ländern weniger strengen Anforderungen unterliegen als die innerhalb der EU geltenden für Bauern.
Mit der Gründung des EBAF versucht Hansen, Spannungen im Agrarsektor abzubauen. Die Einrichtung eines solchen ständigen Beratungsforums war bereits Anfang dieses Jahres – kurz vor den Europawahlen – von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt worden. Als Reaktion auf große Bauernproteste in mehreren EU-Ländern hatte sie eine strategische Agrarberatung einberufen.
Der Beirat wird für fünf Jahre eingerichtet und soll voraussichtlich zwei- bis sechsmal jährlich zusammenkommen. Bei dringendem Beratungsbedarf kann Kommissar Hansen zusätzliche Sitzungen einberufen. Im Januar beginnt das Verfahren zur Festlegung der Zusammensetzung des Beirats.
„Es ist entscheidend, Landwirte in die Ausarbeitung der EU-Agrarpolitik einzubeziehen“, sagte der neue Landwirtschaftskommissar. Nach Hansen ist der Beirat ein Mittel, um den Landwirten eine dauerhafte Plattform zu bieten, auf der sie direkt in Brüssel ihre Anliegen vorbringen und Einfluss auf die zu erarbeitende Politik nehmen können. Dies soll helfen, die Kluft zwischen der Agrarwirtschaft und Brüssel zu überbrücken.
Hansen möchte die Agrarpolitik laut eigener Aussage vereinfachen und nachhaltig gestalten, unter Beachtung von Biodiversität und Klimazielen. Er strebt zudem weitere Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) an, damit Landwirte besser darin unterstützt werden, Umweltauflagen zu erfüllen, ohne dass ihre Wettbewerbsfähigkeit leidet.
Die Ratifizierung des Mercosur-Abkommens muss noch (teilweise) von einer qualifizierten Mehrheit der EU-Länder sowie vom Europäischen Parlament genehmigt werden. Über den rechtlichen Status wird hinter den Kulissen weiterhin diskutiert.
Frankreich und Polen haben bereits angekündigt, eine „blockierende Minderheit“ innerhalb der 27 EU-Länder bilden zu wollen. Sollten sich Italien anschließen, könnte dies möglich werden. Andere EU-Länder betonen, dass das Freihandelsabkommen weiterreichende und umfassendere Aspekte beinhaltet als nur die Interessen des Agrarsektors. Sie weisen darauf hin, dass auch EU-Länder durch den Export von Technologie und anderen Produkten von dem neuen Freihandelsabkommen profitieren können.

