Das Europäische Parlament will in der gesamten EU ein Verbot von Stopfpraktiken bei Tieren, wie sie bei der Zucht fetter Gänselebern für Foie gras angewendet werden. Die EU-Politiker wollen die derzeit bestehende Ausnahmeregelung zum bereits bestehenden Verbot aufheben.
Bei der Herstellung von Foie gras wird Gänsen und Enten mit Gewalt Futter durch einen Trichter in die Kehle gedrückt, um sie so schnell wie möglich dick und fett zu machen. In den fünf EU-Ländern Belgien, Bulgarien, Frankreich, Ungarn und Spanien ist dies noch erlaubt.
Durch diese Ausnahme für die fünf Länder darf Foie gras auch weiterhin in anderen EU-Ländern verkauft werden. Um dem entgegenzuwirken, wird jetzt auch ein Importverbot gefordert.
„Das gewaltsame Zuführen von Futter zur Produktion von fetter Gänseleber ist eines der grausamsten Dinge, die Tiere auf europäischen Bauernhöfen erleiden müssen. Großartig, dass es im Europäischen Parlament genügend Unterstützung gibt, um dem hier endgültig ein Ende zu setzen“, so die niederländische Europaabgeordnete Anja Hazekamp.
Durch diesen Beschluss des Europäischen Parlaments muss die Europäische Kommission nun mit den Landwirtschaftsministern über die Einführung eines solchen Verbots verhandeln. Es wird erwartet, dass vor allem Frankreich und Ungarn ihre Ausnahmestellung nicht aufgeben wollen.
Das Europäische Parlament will ferner, dass ab 2027 in der Tierhaltung weniger Tiere im Käfig gehalten werden. Straßburg schließt sich damit der erfolgreichen Bürgerinitiative „Stoppt die Käfige“ an, die im vergangenen Jahr von 1,4 Millionen Menschen in Europa unterzeichnet wurde. Am 21. Mai hatte der Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments bereits seine Unterstützung für den Aufruf zur Abschaffung der Käfighaltung bekundet.
Um zu verhindern, dass Tierleid in Länder außerhalb der EU verlagert wird, soll auch der Import von Lebensmitteln, die aus Käfighaltung stammen, gestoppt werden. Zu diesem Zweck müssen bestehende Handelsabkommen überarbeitet werden.
Die europäischen Geflügel-, Schweine- und Kälberzüchter, die derzeit noch Käfigsysteme nutzen, werden nicht im Stich gelassen und erhalten künftig finanzielle Unterstützung. So entsteht eine Übergangsphase, in der sie ihre Betriebe anpassen können.
Europaabgeordnete betonen, dass es Dutzende von Alternativen zur Käfighaltung von Schweinen, Kälbern und anderen Tieren gibt. In mehreren EU-Ländern, darunter auch Niederlande, werden bereits tierfreundliche Methoden angewendet.

