Etwa ein Dutzend EU-Politiker, Fraktionsmitarbeiter und Dolmetscher ließen sich über die moderne Betriebsführung und den aktuellen Stand der niederländischen Garten- und Landwirtschaftsbetriebe informieren. Im Bereich des Gewächshausbaus wurde dabei vor allem auf die Zukunftsmöglichkeiten der Pflanzenzüchtung geschaut, im Flevopolder auf den Einsatz von Düngemittelersatzstoffen und im Krimpenerwaard auf Möglichkeiten für Bewässerung und Vernässung in Kombination mit landwirtschaftlicher Nutzung.
Der Arbeitsbesuch war auf Wunsch der drei niederländischen Mitglieder dieses Agrarausschusses zustande gekommen: Annie Schreijer-Pierik (CDA), Jan Huitema (VVD) und Bert-Jan Ruissen (SGP).
Die Delegation hatte außerdem um ein Gespräch mit dem Landwirtschaftsminister Piet Adema gebeten, aber dieser musste wegen der vollen Terminplanung (dem Landwirtschaftsabkommen) durch eine Verwaltungdelegation vertreten werden. Auf die Frage bei der Abschluss-Pressekonferenz, warum die Delegation kein Gespräch mit der Stickstoffministerin Van der Wal angefragt hatte, sagte Vorsitzender Lins, dass dies in den EU-Protokollen unüblich sei: Der Agrarausschuss spreche mit Beamten und Politikern der Landwirtschaftsministerien, jedoch nicht mit anderen Ministern.
Übrigens fanden Lins und „Gastgeber“ Bert-Jan Ruissen es nicht schlimm, dass der Minister keine Zeit hatte, da der Arbeitsbesuch nicht für politischen Austausch mit Entscheidungsträgern gedacht war. „Wir sind hier vor allem gekommen, um zuzuhören“, so Lins. Er hat den Eindruck, dass die niederländischen Landwirte durchaus bereit sind, bei der Umsetzung des europäischen Green Deal mitzuwirken, jedoch Bedenken gegen bestimmte Teile der Umsetzung haben.
So seien die neuen Öko-Subventionen für eine naturfreundliche Betriebsführung zu restriktiv und nach Lins auch finanziell eher gering gehalten. Er plädierte dafür, dass die EU-Subvention nicht nur kostendeckend sein sollte, sondern auch ein Element der „Belohnung“ enthalten müsse. Nach Bert-Jan Ruissen empfinden viele Landwirte viele EU-Maßnahmen als zu verpflichtend und zu sehr von oben auferlegt.
Vorsitzender Lins kündigte an, dass der Landwirtschaftsausschuss nächste Woche in Brüssel eine Stellungnahme zum umstrittenen Naturwiederherstellungsgesetz abgeben wird. Dabei gibt es EU-Fraktionen (von EVP und EKR), die den Gesetzesentwurf komplett ablehnen, und es wird an einem Kompromiss gearbeitet, bei dem die verpflichtende Naturwiederherstellung nur innerhalb der Natura-2000-Gebiete gilt.
Die EU-Politiker sagten zum Abschluss, dass sie auf einem modernen niederländischen Obstbaubetrieb gesehen hätten, dass vielfach bereits grüne, natürliche Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, aber dass im „äußersten Notfall“ manchmal dennoch der Gebrauch chemischer Mittel erforderlich sei.

